Kennst du das? Du scrollst durch Outdoor-Foren und bekommst das Gefühl, du bräuchtest für jede Camping-Tour eine Ausrüstung im Wert eines Kleinwagens. Dabei gibt es verdammt viele Dinge, die weniger als 30 Euro kosten und deinen Trip draußen deutlich angenehmer machen. Manche davon nutze ich schon seit Jahren – weil sie funktionieren, nicht weil sie trendy sind.
Letzten Herbst in Schweden saß ich am Feuer und realisierte: Die Hälfte meiner Lieblingsausrüstung hat unter 30 Euro gekostet. Nicht die teure Jacke hat mir das Leben gerettet, sondern ein simples Tarp und ordentliche Heringe. Manchmal sind es die kleinen Dinge.
Für deine ersten Tagestouren: Die Basis ohne Schnickschnack
Wenn du gerade erst mit Camping anfängst, brauchst du keine High-End-Ausrüstung. Du brauchst Zeug, das funktioniert und nicht gleich dein Budget sprengt. Gerade für Tagestouren oder Wochenendausflüge reichen ein paar durchdachte Basics völlig aus.
Taschenlampe oder Stirnlampe
Eine vernünftige LED-Stirnlampe bekommst du schon für 15-25 Euro. Achte auf mindestens 200 Lumen und eine Laufzeit von 4-5 Stunden im mittleren Modus. Rotlicht-Funktion ist praktisch, weil es die Nachtsicht nicht killt – wichtig, wenn du nachts mal raus musst.
Kompakte Stirnlampe mit verstellbarem Winkel und bis zu 6 Stunden Laufzeit – ideal für Camping-Einsteiger.
Eine Anekdote dazu: In Norwegen hatte ich mal eine „super günstige“ No-Name-Lampe dabei. Nach drei Stunden Regen war die Elektronik hinüber. Seitdem achte ich auf IPX4-Schutz mindestens – auch bei Budget-Modellen.
Multitool oder robustes Taschenmesser
Du musst nicht gleich 80 Euro für ein Leatherman ausgeben. Ein ordentliches Taschenmesser mit Säge und Dosenöffner tut es für den Anfang. Victorinox macht solide Sachen um 20-25 Euro. Wichtig: Eine Klinge, die scharf bleibt, eine kleine Säge und am besten eine Pinzette. Den Korkenzieher brauchst du draußen eher selten.
Klassiker mit 15 Funktionen – robust verarbeitet und perfekt für Camping-Einsteiger ohne Schnickschnack.
Wasserfilter oder Entkeimungstabletten
Trinkwasser ist das A und O. Für unter 30 Euro bekommst du entweder einen einfachen Wasserfilter-Strohhalm oder eine Packung Micropur-Tabletten für mehrere Touren. Der Strohhalm wiegt um die 60 Gramm und filtert bis zu 1000 Liter – ziemlich beeindruckend für den Preis.
Filtert 99,9% aller Bakterien und Protozoen – wiegt nur 57 Gramm und passt in jede Jackentasche.
Tabletten sind leichter, brauchen aber 30 Minuten bis zwei Stunden Wirkzeit. Kommt drauf an, wie geduldig du bist.
Bei schlechtem Wetter: Wenn es ernst wird
Regen, Wind, Kälte – das ist der Moment, wo sich zeigt, ob deine Camping Ausrüstung unter 30 Euro taugt oder nur Ballast ist. Für echte Abenteurer zählt hier Funktion vor Form.
Tarp als zusätzlicher Wetterschutz
Ein simples Tarp (Plane mit Ösen) kostet zwischen 15 und 28 Euro, je nach Größe. 3×3 Meter reicht für die meisten Situationen. Gewicht: circa 500-800 Gramm. Pack es mit ein paar Heringen und 10 Metern Paracord und du hast einen zusätzlichen Unterstand, Windschutz oder notfalls einen improvisierten Zeltboden.
Vielseitig einsetzbares Tarp mit verstärkten Ösen – idealer Wetterschutz für unter 25 Euro.
Ein Wort zur Sicherheit: Achte auf UV-Beständigkeit und wasserdichte Nähte. Billiges Tarp aus dem Baumarkt reißt bei starkem Wind gerne mal durch.
Ordentliche Heringe
Die Plastikteile, die mit günstigen Zelten kommen, taugen oft nichts. Für 10-15 Euro bekommst du ein Set mit zehn Alu-Heringen oder Y-Stakes, die auch in hartem Boden halten. Klingt unspektakulär? Warte ab, bis der erste Sturm kommt.
Robuste Y-Profile für besseren Halt – auch bei steinigem Untergrund deutlich stabiler als Standard-Heringe.
Notfall-Biwaksack
Für 8-15 Euro kriegst du einen reflektierenden Notfallschlafsack aus Mylar. Wiegt 100 Gramm, passt in jede Hosentasche. Ist kein Ersatz für einen richtigen Schlafsack, aber wenn die Temperaturen fallen oder du dich verläufst, kann das Teil lebensrettend sein.
Ultraleichter Wärmeschutz für Notfälle – reflektiert bis zu 90% der Körperwärme zurück.
Für Mehrtagestouren: Clever packen und organisieren
Wenn du mehrere Tage unterwegs bist, wird Organisation wichtiger. Nichts nervt mehr, als zehn Minuten nach dem Feuerzeug zu suchen, während es anfängt zu regnen.
Packsäcke in verschiedenen Größen
Ein Set wasserdichte Packsäcke (3-5 Stück) kostet um die 20 Euro. Nutze verschiedene Farben: Rot für Küche, Blau für Klamotten, Grün für Elektronik. Spart Zeit und Nerven. Die günstigen Modelle sind meist rollbar verschließbar – hält bei vernünftiger Behandlung dicht.
Verschiedene Größen von 2 bis 15 Liter – farbcodiert für schnellen Zugriff im Rucksack.
Kompakte Campingseife
Eine feste Outdoor-Seife kostet 5-10 Euro und hält ewig. Biologisch abbaubar sollte sie sein, gerade wenn du in der Wildnis campst. 100 Gramm reichen locker für zwei Wochen. Funktioniert für Hände, Körper und notfalls auch Geschirr.
Multifunktionale feste Seife – schäumt auch in kaltem Wasser und belastet die Natur nicht.
Karabiner und Paracord
Ein Set mit 5-10 kleinen Karabinern plus 20 Meter Paracord kostet zusammen keine 15 Euro. Damit kannst du deine Ausrüstung außen am Rucksack befestigen, Wäscheleinen spannen oder im Notfall improvisieren. Paracord trägt bis zu 250 kg – deutlich mehr als die meisten Situationen erfordern.
10 Alu-Karabiner plus robustes Paracord – praktisches Befestigungs-Set für unter 15 Euro.
Für Komfort am Abend: Weil niemand komplett spartanisch leben muss
Nach einem langen Wandertag willst du einfach nur sitzen, was essen und die Beine hochlegen. Dafür brauchst du kein Luxus-Camp, aber ein paar kleine Helfer machen den Unterschied.
Isomatte als Sitzkissen
Eine einfache faltbare Sitzmatte aus Schaumstoff kostet 8-12 Euro. Wiegt um die 50 Gramm, isoliert deinen Hintern vom kalten Boden. Klingt banal, aber wenn du abends am Lagerfeuer sitzt, wirst du dankbar sein. Die Faltvariante ist praktischer als die rollbare – passt besser außen an den Rucksack.
Leichte Isoliermatte zum Falten – hält den Boden kalt und feucht von dir fern.
Camping-Kissen oder Buff als Alternative
Ein aufblasbares Camping-Kissen gibt’s schon für 15-20 Euro. Packmaß etwa wie eine Getränkedose, wiegt um 80 Gramm. Alternativ: Ein guter Buff oder Multifunktionstuch (10-15 Euro) kann gefüllt mit Klamotten auch als Kissen dienen. Tagsüber Sonnenschutz, nachts Kopfstütze.
Kompaktes Reisekissen mit weicher Oberfläche – in Sekunden aufgeblasen und deutlich bequemer als zusammengerollte Jacken.
Kompakter Gaskocher-Windschutz
Wenn du schon einen Gaskocher hast, investiere 10-15 Euro in einen faltbaren Windschutz aus Aluminium. Spart Brennstoff und Zeit – der Wind ist beim Kochen dein größter Feind. Wiegt circa 150 Gramm, lässt sich flach zusammenfalten.
10-teiliger Alu-Windschutz – reduziert Kochzeit und Gasverbrauch deutlich bei windigem Wetter.
Für Camping mit der Familie: Praktische Helfer wenn mehr Leute mitkommen
Wenn du nicht alleine unterwegs bist, ändern sich die Prioritäten. Mehr Menschen bedeuten mehr Chaos – außer du hast ein paar clevere Organisationshelfer dabei. Gerade beim Camping mit Kindern zahlt sich gute Vorbereitung aus.
Faltbarer Wasserkanister
10-20 Liter Fassungsvermögen, kostet um die 12-18 Euro. Wenn voll, steht er stabil. Leer zusammengefaltet ist er flach wie ein Buch. Spart euch die ständigen Trips zur Wasserstelle, besonders mit Kindern ist das Gold wert.
Mit Zapfhahn ausgestattet – zusammengefaltet super kompakt, aufgestellt standfest und praktisch.
LED-Campinglampe zum Aufhängen
Für 15-25 Euro bekommst du eine ordentliche LED-Lampe mit Haken zum Aufhängen. 200-300 Lumen sind ausreichend für ein mittelgroßes Zelt. Laufzeit sollte mindestens 10 Stunden sein. Manche Modelle haben verschiedene Helligkeitsstufen und einen Rotlicht-Modus – praktisch, wenn die Kids schon schlafen.
Mit Haken und Magnetfuß – stufenlos dimmbar und mit bis zu 15 Stunden Akkulaufzeit.
Erste-Hilfe-Set kompakt
Ein kleines Outdoor-Erste-Hilfe-Set gibt’s für 15-20 Euro. Sollte mindestens enthalten: Pflaster in verschiedenen Größen, Blasenpflaster, Desinfektionsmittel, Pinzette, Zeckenkarte, elastische Binde. Wiegt um die 200 Gramm. Hoffentlich brauchst du es nie, aber wenn doch, ist es unbezahlbar.
130-teiliges Set in wasserdichter Tasche – speziell für Camping und Wandern zusammengestellt.
Für Ultraleicht-Fans: Gramm zählen ohne viel Geld auszugeben
Wer es mit dem Ultralight Trekking ernst meint, gibt normalerweise viel Geld für Titanbesteck und ultraleichte Stoffe aus. Aber auch im Budget-Bereich kannst du clever Gewicht sparen.
Titan-Heringe statt Alu
Okay, die sind meist knapp über 30 Euro für ein Set. Aber ein 6er-Set bekommst du manchmal für 28-32 Euro. Jeder Hering wiegt nur 10-12 Gramm statt 20 Gramm bei Alu. Bei einem kompletten Zeltaufbau sparst du so circa 100 Gramm. Hält dafür ein Leben lang.
Esbit-Trockenbrennstoff statt Gaskocher
Ein Esbit-Kocher-Set mit Brennstofftabletten kostet um die 15-20 Euro. Wiegt komplett keine 200 Gramm. Ist nicht so komfortabel wie Gas, funktioniert aber bei allen Temperaturen und ist nahezu unkaputtbar. Für Solo-Touren, wo du nur Wasser kochen willst, völlig ausreichend.
Ultraleichtes Kochsystem – funktioniert bei jedem Wetter und passt in jede Jackentasche.
Mikrofaser-Handtuch statt Baumwolle
Ein gutes Mikrofaser-Outdoor-Handtuch (Größe M) kostet 12-18 Euro. Wiegt um die 150 Gramm, trocknet ultraschnell und ist deutlich kompakter als normale Handtücher. Nimmt das Vier- bis Fünffache seines Eigengewichts an Wasser auf.
Superleicht und schnelltrocknend – inklusive Packtasche mit Karabiner zum Trocknen unterwegs.
Worauf du beim Kauf achten solltest: Ehrliche Warnungen
Nicht jede Camping Ausrüstung unter 30 Euro ist ihr Geld wert. Hier ein paar Punkte, die ich aus Erfahrung gelernt habe – teilweise auf die harte Tour.
Wasserdichtigkeit ist nicht gleich Wasserdichtigkeit: Wenn auf einem Tarp oder Packsack einfach nur „waterproof“ steht ohne Angabe der Wassersäule, ist das meist Marketing-Sprech. Für richtigen Regen brauchst du mindestens 3000 mm Wassersäule. Lieber ein paar Euro mehr ausgeben als im Regen festzustellen, dass „wasserabweisend“ nicht „wasserdicht“ bedeutet.
Gewichtsangaben überprüfen: Manche Hersteller geben nur das Gewicht des Hauptprodukts an, nicht das Gesamtgewicht inklusive Verpackung und Zubehör. Bei einem Gaskocher kann der Unterschied 100 Gramm ausmachen. Schau in die Kundenrezensionen – da wiegt oft jemand nach.
Bei Elektronik auf Schutzklassen achten: Eine Stirnlampe ohne IPX4 oder besser überlebt den ersten ordentlichen Regen nicht. Das gilt auch für Powerbanks und andere Elektronik. Die paar Euro mehr für ordentliche Versiegelung lohnen sich immer.
Billige Messer bleiben nicht scharf: Ein Messer für 8 Euro aus Fernost wird nach zwei Wochen Nutzung stumpf sein. Da lohnt es sich, die 20-25 Euro für eine bekannte Marke auszugeben. Ein scharfes Messer ist sicherer als ein stumpfes – klingt paradox, ist aber so.
Nicht alles muss ultraleicht sein: Gerade Heringe sollten robust sein. Ein Plastik-Hering, der bei der ersten Benutzung bricht, bringt dir nichts, auch wenn er nur 5 Gramm wiegt. Hier zählt Stabilität mehr als Gewicht.
FAQ: Häufige Fragen zur günstigen Camping-Ausrüstung
Reicht günstige Camping-Ausrüstung unter 30 Euro für längere Touren?
Kommt drauf an, was du vorhast. Für Wochenendtrips oder einfache Mehrtagestouren bei gutem Wetter reicht Budget-Ausrüstung völlig. Wenn du aber in extreme Bedingungen willst – Hochgebirge, Winter, mehrtägige Trekkingtouren fernab der Zivilisation – solltest du bei kritischer Ausrüstung wie Schlafsack, Zelt und Kochsystem mehr investieren. Die kleinen Helfer (Packsäcke, Lampen, Tools) können aber problemlos günstig sein.
Wie lange hält preiswerte Outdoor-Ausrüstung?
Bei vernünftiger Pflege überraschend lange. Mein Mikrofaser-Handtuch für 15 Euro ist jetzt im vierten Jahr dabei. Mein günstiger Windschutz ebenso. Kritisch wird es bei mechanisch belasteten Teilen wie Karabinern oder bei Elektronik. Da solltest du von Anfang an auf Qualität achten, auch im Budget-Bereich. Ein Victorinox-Messer hält ein Leben lang – ein No-Name für 8 Euro vielleicht eine Saison.
Welche Camping-Ausrüstung sollte ich nicht beim Discounter kaufen?
Schlafsäcke, Zelte und Wanderschuhe würde ich niemals beim Discounter kaufen. Bei diesen drei Dingen hängt dein Komfort und teilweise deine Sicherheit dran. Auch bei Isomatten bin ich vorsichtig – billige Matten verlieren schnell Luft oder isolieren nicht. Alles andere – Lampen, Packsäcke, Geschirr, Tools – kann durchaus vom Discounter sein, wenn die Specs stimmen. Ich hab ein paar Aldi-Sachen im Einsatz, die seit Jahren tadellos funktionieren.
Lohnt sich der Kauf von Second-Hand Camping-Ausrüstung?
Bei manchen Sachen absolut. Tarps, Heringe, Packsäcke, Tools – da ist gebraucht oft die bessere Wahl. Du bekommst hochwertigere Marken für weniger Geld. Bei Elektronik (Stirnlampen, GPS) wäre ich vorsichtiger – Akkus verlieren mit der Zeit an Kapazität. Schlafsäcke und Isomatten würde ich nur von Leuten kaufen, denen ich vertraue. Niemand will in einem Schlafsack schlafen, dessen Geschichte er nicht kennt.
Wie viel sollte ich insgesamt für Camping-Einstieg einplanen?
Für eine solide Basis-Ausrüstung rechne mit 300-500 Euro. Das beinhaltet ein einfaches Einsteiger-Zelt, einen Drei-Jahreszeiten-Schlafsack, eine grundlegende Isomatte und einen brauchbaren Rucksack zwischen 40 und 70 Litern. Die kleinen Dinge – also genau die Sachen aus diesem Artikel – machen dann nochmal 100-150 Euro aus. Du musst nicht alles auf einmal kaufen. Fang mit dem Nötigsten an und erweitere deine Ausrüstung mit jeder Tour. So merkst du auch, was du wirklich brauchst und was nur nice to have ist.
Camping muss nicht teuer sein. Die meisten meiner Lieblingsausrüstung hat unter 30 Euro gekostet – weil es am Ende nicht um den Preis geht, sondern darum, dass es funktioniert