Stell dir vor: Du sitzt nach einer langen Wanderung am Lagerplatz, dein Magen knurrt – und der Kocher streikt. Brennstoff leer, Wind zu stark, oder du kommst mit der Technik einfach nicht klar. Solche Situationen hab ich schon mehr erlebt, als mir lieb ist. Deshalb teste ich Camping-Kocher mittlerweile gründlich, bevor sie in meinen Rucksack wandern.
Die Wahl zwischen Gas, Spiritus oder Holz ist keine Geschmacksfrage – sie hängt von deiner Tour ab. Ein Gaskocher, der auf der Wochenendtour top funktioniert, kann im Winter zur Qual werden. Und der minimalistische Hobo-Ofen? Macht am Lagerfeuer Spaß, ist aber in alpinen Regionen oft verboten.
In diesem Camping-Kocher-Test schauen wir uns an, welches System zu welcher Situation passt. Mit konkreten Modellen, echten Gewichtsangaben und Preisen – keine Marketing-Phrasen, sondern Praxis-Erfahrung vom Lagerfeuer.
Für die Wochenend-Tour: Schnell, unkompliziert, zuverlässig
Wenn du nur zwei, drei Tage unterwegs bist, willst du nicht lange rumfummeln. Ein Gaskocher ist hier die praktischste Lösung – Kartusche drauf, aufdrehen, läuft. In der Praxis zeigt sich: Die meisten Anfänger unterschätzen, wie viel schneller sie mit Gas kochen als mit anderen Systemen.
Mein Go-to für Wochenendtouren ist seit Jahren der MSR PocketRocket 2. Wiegt nur 73 Gramm, passt in deine Handfläche und bringt einen Liter Wasser in drei bis vier Minuten zum Kochen. Kostet um die 45 Euro – kein Schnäppchen, aber hält ewig. Die Brennerköpfe sind windgeschützt genug für normale Bedingungen.
Ultraleichter Gaskocher mit nur 73 Gramm – perfekt für schnelle Touren, wenn jedes Gramm zählt und du trotzdem zuverlässig kochen willst.
Wer es noch günstiger mag: Der Fire-Maple FMS-300T kostet etwa 20 Euro und taugt auch was. 45 Gramm leicht, faltbar, macht seinen Job. Klar, die Verarbeitung ist nicht MSR-Niveau, aber für gelegentliche Touren völlig okay.
Budget-Gaskocher mit Titan-Konstruktion und nur 45 Gramm Gewicht – funktioniert zuverlässig und schont die Geldbörse.
Kartuschen: Ventil oder Schraub?
Bei Gas hast du zwei Systeme: Ventilkartuschen (wie CV300) und Schraubkartuschen (wie die von Primus oder Coleman). Ventilkartuschen kannst du nach Gebrauch abschrauben und wieder drauf – praktisch für Wochenendtouren. Schraub-Versionen sind günstiger, aber einmal montiert, lässt du sie besser dran.
Was viele Anfänger nicht wissen: Eine 230-Gramm-Kartusche reicht bei normalem Gebrauch (zwei warme Mahlzeiten am Tag) etwa vier bis fünf Tage. Pack also entsprechend ein oder kauf vor Ort nach.
Für Mehrtages-Trekking: Gewicht vs. Brennstoff-Verfügbarkeit
Auf längeren Touren wird’s komplizierter. Je nachdem wohin du gehst, musst du dir Gedanken über Nachschub machen. In Europa findest du Gaskartuschen in jedem Outdoor-Laden und oft sogar an Tankstellen. In abgelegeneren Regionen wird’s schwieriger.
Hier kommt der gute alte Trangia Spirituskocher ins Spiel. Das Ding ist unkaputtbar – einfach nur ein Messingbrenner, keine beweglichen Teile. Ich hab meinen seit 15 Jahren, und der läuft noch wie am ersten Tag. Spiritus kriegst du überall, notfalls sogar in Apotheken oder Baumärkten.
Der Klassiker mit Messingbrenner und Windschutz – braucht zwar länger als Gas, dafür praktisch unzerstörbar und Spiritus gibt’s überall.
Der Nachteil? Spiritus braucht deutlich länger. Für einen Liter Wasser plane ich gut zehn Minuten ein – bei Wind auch mal länger. Und: Spiritus hat weniger Energiedichte als Gas. Für eine Woche brauchst du etwa einen Liter, das sind zusätzliche 800 Gramm im Rucksack.
Pro-Tipp: Der Trangia-Brenner passt auch in andere Topf-Setups. Ich nutze ihn oft mit einem leichteren Windschutz aus Alu statt dem kompletten Trangia-Set – spart gut 300 Gramm.
Multifuel-Kocher: Die Allrounder
Wenn du wirklich lange unterwegs bist oder in Regionen gehst, wo du nicht weißt, was verfügbar ist, lohnt sich ein Blick auf Multifuel-Systeme. Der MSR WhisperLite Universal läuft mit Gas, Benzin, Diesel und sogar Kerosin. Wiegt mit 361 Gramm mehr als ein reiner Gaskocher, gibt dir aber maximale Flexibilität.
Multifuel-Kocher für Gas und Flüssigbrennstoffe – wenn du weltweit unterwegs bist und nicht weißt, was du vor Ort findest.
Achtung: Flüssigbrennstoff-Kocher brauchen mehr Wartung. Düsen verstopfen, du musst pumpen und vorheizen – nicht so plug-and-play wie Gas. Aber wenn du im Himalaya oder in Patagonien unterwegs bist, gibt’s oft keine Alternative.
Bei schlechtem Wetter und Wind: Was wirklich funktioniert
Am Lagerfeuer getestet und für zu schwach befunden: Die meisten Budget-Gaskocher bei Wind. Ich hab mal drei Tage in Norwegen gebraucht, um zu akzeptieren, dass mein 15-Euro-Kocher in der Küstenregion einfach nutzlos ist. Ständig ging die Flamme aus, oder sie flackerte nur noch.
Für windige Bedingungen brauchst du entweder einen Kocher mit integriertem Windschutz oder ein Komplettsystem. Der Jetboil Flash ist hier mein Favorit – nicht wegen irgendeiner Marketing-Geschichte, sondern weil das Ding einfach funktioniert. Der Brenner sitzt im Topf, das ganze System ist optimiert. Ein Liter Wasser in zwei Minuten, auch bei Wind.
Integriertes Koch-System mit Topf und optimiertem Brenner – bringt Wasser in unter zwei Minuten zum Kochen, auch bei miesem Wetter.
Kostet um die 110 Euro und wiegt mit Topf etwa 440 Gramm. Klingt viel, aber du sparst dir separate Töpfe. Und in der Praxis: Die Zeitersparnis ist bei Schlechtwetter Gold wert.
Windschutz selbst bauen oder kaufen?
Für normale Gaskocher kannst du Windschutz aus Alu-Folie basteln – kostet nichts, wiegt nichts, funktioniert. Wichtig: Lass oben und unten genug Luftzirkulation, sonst überhitzt die Kartusche. Hab ich am Anfang auch falsch gemacht – die Kartusche wurde so heiß, dass ich sie nicht mehr anfassen konnte.
Fertige Windschutz-Systeme wie von Primus sind durchdachter, aber teurer. Für 20-30 Euro kriegst du was Solides. Lohnt sich, wenn du oft bei Wind unterwegs bist.
Im Winter: Wenn’s richtig kalt wird
Normale Gaskartuschen mit Butan versagen ab etwa 0 Grad – die Flamme wird schwächer oder geht ganz aus. Für Winter-Camping brauchst du Kartuschen mit Propan-Anteil oder Flüssigbrennstoff.
Der Primus Omnifuel ist meine erste Wahl für Wintertouren. Läuft mit Gas oder Benzin, hat einen Vorwärmer für die Brennstoffleitung und funktioniert bis -20 Grad problemlos. Wiegt 350 Gramm ohne Flasche, kostet etwa 160 Euro. Nicht billig, aber du willst draußen bei Minusgraden keinen Kocher, der streikt.
Multifuel-Kocher mit Vorwärmer für extreme Kälte – läuft zuverlässig bis -20 Grad mit verschiedenen Brennstoffen.
Alternative: Gaskartuschen mit hohem Propan-Anteil (wie die Winter-Mix von Primus) funktionieren auch im Winter ganz gut. Teurer als normale Kartuschen, aber du kannst deinen Standard-Gaskocher weiter nutzen.
Spiritus im Winter? Geht auch
Überraschend: Spiritus funktioniert im Winter besser als Standard-Gas. Brennt zwar langsamer, aber die Leistung bleibt konstant. Der Trangia braucht im Winter halt statt zehn Minuten eher fünfzehn für einen Liter Wasser. Dafür hast du keine Technik, die versagen kann.
Für Minimalisten und Bushcrafter: Holz als Brennstoff
Holzvergaser-Kocher sind was für Leute, die gern draußen rumwerkeln und Gewicht sparen wollen. Du sammelst Äste, Zapfen, trockenes Gras – alles was brennt. Kein Brennstoff zum Mitschleppen.
Der Solo Stove Lite ist hier ziemlich cool konstruiert. Doppelwandiger Edelstahl, durch die Löcher wird Luft von unten nachgeführt – das Ding brennt sauber und effizient. Wiegt 255 Gramm, kostet etwa 70 Euro.
Holzvergaser-Kocher aus Edelstahl mit cleverer Luftzufuhr – du sammelst Brennmaterial vor Ort und sparst dir das Mitschleppen.
Achtung: In vielen Naturschutzgebieten und oberhalb der Baumgrenze ist offenes Feuer verboten – auch in diesen Kochern. Informier dich vorher über die Regeln in deinem Zielgebiet. Und: Bei Regen oder in feuchten Wäldern findest du kein trockenes Holz. Dann stehst du dumm da.
DIY-Alternative: Die Hobo-Dose
Wer ganz minimalistisch unterwegs ist: Eine große Konservendose mit Löchern funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Kostet nichts, wiegt nichts (weil du sie vor Ort zusammenbaust), ist aber auch nichts für jede Tour. Eher was für Festival-Camping oder lockere Wochenenden am See.
Für Einsteiger: Womit starten?
Wenn du gerade erst mit Camping anfängst, ist die Auswahl überwältigend. Meine Empfehlung: Fang mit einem simplen Gaskocher an. Der Campingaz Twister Plus kostet um die 25 Euro, wiegt 190 Gramm und funktioniert zuverlässig.
Solider Einsteiger-Gaskocher zum kleinen Preis – läuft stabil, ist gut verarbeitet und mit Piezozündung ausgestattet.
Damit kannst du erstmal testen, wie oft du wirklich draußen kochst und was du brauchst. Später upgraden geht immer – aber du musst nicht gleich 150 Euro ausgeben, um rauszufinden, ob dir Camping überhaupt liegt.
Die passenden Kartuschen (CV300 oder CV470) findest du in jedem Baumarkt und bei Decathlon. Eine kleine Kartusche reicht für ein Wochenende locker.
Was du sonst noch brauchst
Ein Kocher allein reicht nicht. Du brauchst mindestens:
- Einen Topf oder eine Tasse – Alu ist leicht, Edelstahl robuster
- Einen Löffel (Titan oder Kunststoff spart Gewicht)
- Ein Feuerzeug plus Ersatz-Feuerzeug (Piezozündungen versagen gern mal)
- Einen kleinen Lappen zum Anfassen heißer Töpfe
Das komplette Kochset mit Trangia wiegt etwa 900 Gramm, mit einem ultraleichten Gaskocher kommst du unter 500 Gramm. Für mehr Gewichts-Tipps schau mal in meinen Guide zum Ultralight-Trekking.
Für Gruppen und Familien: Größere Systeme
Wenn ihr zu viert oder mehr unterwegs seid, machen die kleinen Solo-Kocher keinen Spaß mehr. Dann kochst du ewig oder brauchst mehrere Kocher gleichzeitig. Für Camping mit Kindern oder Gruppentouren lohnen sich größere Gaskocher.
Der Campingaz Camp Bistro 2 hat zwei Brenner, wiegt knapp 2 Kilo und kostet etwa 70 Euro. Zu schwer zum Wandern, aber fürs Auto-Camping oder Van-Life ziemlich praktisch. Du kannst parallel Wasser aufsetzen und was brutzeln.
Zwei-Flammen-Gaskocher für Familien und Gruppen – zu schwer für Trekking, aber perfekt fürs Auto-Camping mit mehreren Personen.
Kartuschen vs. Flaschen bei längeren Aufenthalten
Wenn du eine Woche oder länger am gleichen Platz stehst, werden Kartuschen teuer. Dann lohnt sich eine große Gasflasche (5 oder 11 Kilo) mit passendem Druckminderer und Schlauch. Billiger im Verbrauch und du musst nicht ständig Kartuschen kaufen.
Camping-Kocher im Test: Die wichtigsten Kriterien
Nach Jahren draußen mit verschiedenen Systemen hab ich ein paar Kriterien, die mir wichtig sind:
Kochzeit: Gas ist am schnellsten (3-4 Minuten pro Liter), Spiritus braucht 8-12 Minuten, Holz ist schwer zu messen. Wenn du morgens schnell weiterwillst, macht das einen Unterschied.
Gewicht: Ultraleichte Gaskocher unter 100 Gramm sind top für Trekking-Touren. Spiritus-Systeme wiegen mit Brenner und Topf oft mehr, aber du sparst bei den Kartuschen.
Brennstoff-Verfügbarkeit: In Europa ist Gas überall zu kriegen. In abgelegeneren Regionen wird’s schwieriger – dann ist Spiritus oder Benzin sicherer.
Windstabilität: Integrierte Systeme wie Jetboil schlagen alles andere. Bei offenen Gaskochern macht ein guter Windschutz den Unterschied zwischen zwei und zehn Minuten Kochzeit.
Packmaß: Manche Kocher passen in die Tasse, andere brauchen extra Platz im Rucksack. Das Trangia-Komplettsystem ist sperrig, ein MSR PocketRocket verschwindet in der Jackentasche.
Häufige Fragen zu Camping-Kochern
Kann ich Gaskartuschen im Flugzeug mitnehmen?
Nein, Gaskartuschen sind im Handgepäck und Aufgabegepäck verboten. Du musst am Zielort neue kaufen. Deshalb sind Multifuel-Kocher für Flugreisen praktischer – Benzin kriegst du überall.
Wie lange hält eine 230g-Gaskartusche?
Bei moderater Nutzung (zweimal täglich Wasser kochen, einmal was Warmes) etwa vier bis fünf Tage. Im Winter oder bei viel Wind geht’s schneller. Pack lieber eine Kartusche mehr ein.
Ist Spiritus wirklich so viel langsamer als Gas?
Ja, etwa doppelt so langsam. Ein Liter Wasser braucht mit Spiritus 8-12 Minuten, mit Gas 3-4 Minuten. Dafür ist Spiritus zuverlässiger bei Kälte und du findest ihn überall.
Darf ich überall mit Holzkochern Feuer machen?
Nein. In vielen Naturschutzgebieten, Nationalparks und oberhalb der Baumgrenze ist offenes Feuer komplett verboten – auch in geschlossenen Kochern. Informier dich vorher über die lokalen Regeln.
Welcher Kocher ist am sichersten?
Spirituskocher haben keine beweglichen Teile und keinen Druck – relativ sicher. Bei Gaskochern mit Schraubkartuschen kann theoretisch Gas austreten, wenn du die Verbindung beschädigst. Flüssigbrennstoff-Kocher brauchen am meisten Erfahrung – falsch gepumpt können sie aufflackern.
Lohnt sich ein teurer Marken-Kocher wirklich?
Bei Campingausrüstung lieber ein gutes Produkt als drei billige aus dem Baumarkt. Ein MSR oder Primus hält zehn Jahre oder länger, ein No-Name-Kocher gibt oft nach zwei Saisons den Geist auf. Und draußen willst du keinen Ausrüstungs-Ausfall riskieren.
Fazit: Welcher Kocher passt zu dir?
Es gibt nicht den einen perfekten Camping-Kocher. Es kommt drauf an, wo du hingehst, wie lange du unterwegs bist und was du kochst.
Für Wochenend-Touren in Europa: Ein leichter Gaskocher wie der MSR PocketRocket 2. Schnell, zuverlässig, einfach.
Für Mehrtages-Trekking mit unsicherer Brennstoff-Versorgung: Trangia mit Spiritus oder ein Multifuel-Kocher.
Für Winter und extreme Bedingungen: Primus Omnifuel oder ein anderer Flüssigbrennstoff-Kocher mit Vorwärmer.
Für Minimalisten und Bushcraft-Fans: Solo Stove oder ein anderer Holzvergaser – wenn die Region offenes Feuer erlaubt.
Für Anfänger: Campingaz Twister Plus zum Ausprobieren, später upgraden wenn nötig.
Was du draußen nicht willst: Einen Kocher, auf den du dich nicht verlassen kannst. Bei deiner Ausrüstung ist Zuverlässigkeit wichtiger als das letzte gesparte Gramm oder der günstigste Preis. Ein gutes Messer ist das wichtigste Werkzeug draußen –