Erste-Hilfe-Set für Outdoor: Die perfekte Notfallapotheke

Der Abstieg war fast geschafft, als mein Kletterpartner auf einem losen Stein ausrutschte. Nichts Dramatisches – ein aufgeschürftes Knie, eine blutige Handfläche. Aber wir waren noch zwei Stunden vom Parkplatz entfernt, und ohne ordentliche Erstversorgung wäre der Rest des Abstiegs zur Qual geworden. Zum Glück hatte ich mein Erste-Hilfe-Set dabei. Nicht dieses winzige Alibi-Täschchen, das in vielen Rucksäcken verstaubt, sondern ein richtig durchdachtes Set.

Was oft unterschätzt wird: Bei Outdoor-Touren bist du dein eigener Notarzt. Keine Apotheke um die Ecke, kein Rettungswagen in zehn Minuten vor Ort. Die nächste Hilfe kann Stunden entfernt sein. Deshalb ist ein gutes Erste-Hilfe-Set für Outdoor-Aktivitäten keine Kür, sondern Pflicht – genauso wie deine Regenjacke oder dein Trekkingrucksack.

In diesem Ratgeber zeige ich dir, was wirklich ins Erste-Hilfe-Set gehört. Nicht die Standard-Checkliste, die du überall findest, sondern praxiserprobte Empfehlungen aus über zehn Jahren Bergerfahrung und meiner Ausbildung als Bergretterin. Du erfährst, welche Sets ich selbst nutze, wo du sparen kannst und wo auf keinen Fall.

Die Grundausstattung: Was muss ins Erste-Hilfe-Set für Outdoor-Touren?

Beginnen wir mit der harten Realität: Die meisten Outdoor-Unfälle sind keine Hollywood-Drama-Szenarien. Sondern Blasen, Schürfwunden, Verstauchungen, Insektenstiche. Trotzdem muss dein Set auch für ernstere Situationen gerüstet sein.

Wundversorgung – das absolute Minimum

Hier sparst du nicht. Eine saubere Wundversorgung verhindert Infektionen und kann dir eine mehrtägige Tour retten.

  • Sterile Kompressen in verschiedenen Größen (mindestens 5×5 cm und 10×10 cm)
  • Mullbinden – zwei Rollen à 6 cm Breite
  • Verbandpäckchen (mindestens zwei mittlere)
  • Pflaster in unterschiedlichen Größen – nimm mehr mit als du denkst
  • Blasenpflaster – auf mehrtägigen Touren Gold wert
  • Fixierbinden oder selbstklebendes Tape
  • Dreieckstuch – vielseitig einsetzbar

Aus meiner Sicht ist Wunddesinfektion draußen noch wichtiger als zuhause. Du hast dreckige Hände, keinen sauberen Wasserhahn, und die Wunde kommt mit allem Möglichen in Kontakt. Deshalb gehören Desinfektionsmittel und -tücher immer ins Gepäck.

Octenilin Wundgel

Hält Wunden feucht und sauber, brennt nicht und ist auch für empfindliche Haut gut verträglich. Packe ich seit Jahren ein.

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Medikamente – sinnvoll auswählen

Nicht jede Tablette gehört mit. Fokussiere dich auf Basics, die du draußen wirklich brauchst:

  • Schmerzmittel: Ibuprofen (wirkt auch entzündungshemmend)
  • Blasenpflaster und Tape gegen Reibung
  • Antihistaminika bei Allergien oder heftigen Insektenstichen
  • Elektrolyte bei Durchfall oder starkem Schwitzen
  • Zeckenkarte oder Zeckenzange
  • Pinzette für Splitter

Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, pack einen Vorrat für die gesamte Tour plus zwei Tage Reserve ein. Klingt selbstverständlich, wird aber gerne vergessen.

Werkzeug und Hilfsmittel

Manchmal brauchst du mehr als nur Pflaster:

  • Schere – klein, aber scharf
  • Einmalhandschuhe (mindestens zwei Paar)
  • Rettungsdecke – wiegt fast nichts, kann Leben retten
  • Stirnlampe oder kleine Taschenlampe (ja, auch fürs Erste-Hilfe-Set)
  • Handy und Powerbank für den Notruf

Die Stirnlampe wird oft vergessen, aber wenn du nachts im Zelt oder bei schlechter Sicht jemanden versorgen musst, brauchst du beide Hände frei.

Meine Top-3 fertige Sets für verschiedene Einsatzbereiche

Klar kannst du dir dein Erste-Hilfe-Set selbst zusammenstellen. Oft ist aber ein fertiges Set die bessere Wahl – durchdachter aufgebaut, kompakter verpackt, und du vergisst garantiert nichts Wichtiges.

Tatonka First Aid Basic – mein Allrounder für Tagestouren

Das Tatonka First Aid Basic nutze ich seit Jahren für Tagestouren und Wochenendausflüge. Es wiegt gerade mal 170 Gramm und passt in jede Außentasche meines Rucksacks.

Der Inhalt ist solide: Verbandmaterial, Pflaster, Blasenpflaster, Pinzette, Schere. Alles übersichtlich in einem wasserabweisenden Täschchen mit Reißverschluss. Was mir besonders gefällt: Die Aufteilung in kleine Netztaschen. Wenn du mit kalten, nassen Fingern hantierst, findest du trotzdem schnell, was du brauchst.

Preis liegt bei etwa 25-30 Euro. Für dieses Geld bekommst du ein gut durchdachtes Basis-Set, das für normale Wanderungen völlig ausreicht.

Tatonka First Aid Basic

Kompaktes Erste-Hilfe-Set für Tagestouren mit übersichtlicher Aufteilung und solidem Inhalt. Wiegt nur 170 Gramm.

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Outdoor Research Backcountry Organizer – für mehrtägige Trekkingtouren

Wenn ich länger unterwegs bin oder in anspruchsvollerem Gelände, greife ich zum Outdoor Research Backcountry Organizer. Das ist kein Erste-Hilfe-Set im klassischen Sinn, sondern ein durchdachtes Organizer-System, in das du deine eigene Ausrüstung packst.

Warum das Sinn macht: Du kannst das Set genau auf deine Tour anpassen. Klettertour? Pack mehr Tape und elastische Binden ein. Trekkingtouren in warmen Regionen? Mehr Blasenpflaster und Elektrolyte. Die verschiedenen Fächer sind transparent, alles lässt sich auch mit Handschuhen öffnen.

Gewicht leer: etwa 120 Gramm. Gefüllt komme ich auf rund 400-500 Gramm, je nach Tour. Kostenpunkt: 35-45 Euro.

Outdoor Research Backcountry Organizer

Flexibles Organizer-System für individuell zusammengestellte Erste-Hilfe-Sets. Perfekt für längere Touren.

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Adventure Medical Kits Mountain Series – wenn es ernst werden kann

Für Expeditionen oder abgelegene Mehrtagestouren, wo professionelle Hilfe weit weg ist, nutze ich das Mountain Series von Adventure Medical Kits. Das ist deutlich umfangreicher und kostet auch entsprechend mehr (80-120 Euro, je nach Größe).

Was drin ist: Umfangreiches Verbandmaterial, Schienen für Knochenbrüche, Medikamente gegen verschiedene Notfälle, Anleitung für medizinische Erstversorgung. Gewicht liegt bei etwa 700 Gramm für die mittlere Version.

Ein Wort zur Sicherheit: So ein Set ist nur sinnvoll, wenn du auch weißt, wie du es einsetzt. Eine Schiene anzulegen oder eine tiefe Wunde zu versorgen lernt man nicht aus der Packungsbeilage. Deshalb empfehle ich jedem, der ernsthaft in die Berge geht, einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen – am besten einen speziell für Outdoor-Situationen.

Adventure Medical Kits Mountain Series

Umfangreiches Profi-Set für abgelegene Mehrtagestouren mit Schienen, Medikamenten und ausführlicher Anleitung.

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Selbst zusammenstellen vs. fertig kaufen – eine ehrliche Einschätzung

Die Frage höre ich oft: Lohnt sich ein fertiges Erste-Hilfe-Set für Outdoor-Aktivitäten, oder stelle ich besser selbst eins zusammen?

Meine Erfahrung: Für den Anfang ist ein fertiges Set die bessere Wahl. Du bekommst eine durchdachte Grundausstattung, alles ist kompakt verstaut, und du zahlst unterm Strich nicht mehr, als wenn du alles einzeln kaufst.

Später kannst du dann nach deinen Bedürfnissen ergänzen. Ich habe mein Tatonka-Set über die Jahre angepasst: mehr Blasenpflaster hinzugefügt, spezielle Tape-Sorten, die ich mag, zusätzliche Schmerzmittel. Das Set ist nur noch der Rahmen – der Inhalt ist mittlerweile zu 60% von mir.

Was du auf jeden Fall ergänzen solltest

Auch die besten fertigen Sets haben Lücken. Das solltest du nachkaufen:

  • Mehr Blasenpflaster – die mitgelieferte Menge reicht nie
  • Persönliche Medikamente – logisch, aber erwähnenswert
  • Sonnencreme und Lippenpflege mit UV-Schutz – in höheren Lagen unverzichtbar
  • Zeckenkarte – fehlt in vielen Standard-Sets
  • SAM Splint oder ähnliche Notfall-Schiene bei längeren Touren
Compeed Blasenpflaster Mixed Pack

Verschiedene Größen für alle Problemzonen am Fuß. Hält auch bei Nässe und polstert gut ab.

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Spezielle Anforderungen: Winter, Höhe und Fernreisen

Ein Erste-Hilfe-Set ist nicht gleich Erste-Hilfe-Set. Je nach Jahreszeit und Gelände brauchst du zusätzliche Ausrüstung.

Winter und Kälte

Bei Wintertouren kommen andere Risiken hinzu. Winter Camping erfordert besondere Vorbereitung, auch medizinisch:

  • Wärmepacks für unterkühlte Extremitäten
  • Fetthaltige Salbe gegen Erfrierungen
  • Extra Rettungsdecken – bei Kälte brauchst du oft mehrere
  • Stirnlampe mit Reservebatterien – es wird früh dunkel

Was oft unterschätzt wird: Im Winter brauchst du mehr Zeit für jede Erste-Hilfe-Maßnahme. Mit dicken Handschuhen ein Pflaster aufzukleben ist verdammt schwierig. Deshalb sollte dein Set auch mit klammen Fingern einfach zu bedienen sein.

Höhentouren über 3000 Meter

In der Höhe können neue Probleme auftreten:

  • Medikamente gegen Höhenkrankheit (nach ärztlicher Beratung)
  • Mehr Sonnenschutz – die UV-Strahlung ist intensiver
  • Gletschersalbe für Lippen und exponierte Hautstellen
  • Augentropfen – die Luft ist extrem trocken

Tropische Regionen und Fernreisen

In warmen Ländern ändern sich die Prioritäten:

  • Insektenschutz mit DEET
  • Durchfall-Medikamente und Elektrolyte
  • Wasserentkeimungstabletten
  • Moskitonetz-Reparaturset
  • Breitband-Antibiotikum (nach Rücksprache mit dem Arzt)

Erste-Hilfe-Wissen: Das Set ist nur die halbe Miete

Ehrlich gesagt: Das beste Erste-Hilfe-Set für Outdoor-Touren nützt dir wenig, wenn du nicht weißt, wie du es einsetzt. Ich habe in den Bergen schon Leute gesehen, die top ausgerüstet waren, aber bei einem simplen Nasenbluten nicht wussten, was zu tun ist.

Welche Kurse lohnen sich?

Für Outdoor-Enthusiasten empfehle ich drei Stufen:

Stufe 1: Basis-Erste-Hilfe-Kurs
Den normalen Erste-Hilfe-Kurs sollte jeder alle paar Jahre auffrischen. Kostet einen Tag Zeit und etwa 40-50 Euro. Vermittelt die Grundlagen.

Stufe 2: Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs
Spezialkurse für Outdoor-Situationen bieten viele Alpenvereine und Outdoor-Schulen an. Hier lernst du, was du tust, wenn professionelle Hilfe Stunden entfernt ist. Dauer meist ein Wochenende, Kosten 150-250 Euro. Aus meiner Sicht eine der besten Investitionen, die du für deine Sicherheit machen kannst.

Stufe 3: Wilderness First Responder
Für Guides, Expeditionsleiter oder ambitionierte Bergsteiger gibt es mehrtägige WFR-Kurse. Die sind intensiv, teuer (800-1500 Euro) und ziemlich anstrengend. Aber danach kannst du auch in wirklich abgelegenen Regionen kompetent Erste Hilfe leisten.

Übung macht den Meister

Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Pack dein Erste-Hilfe-Set mal zu Hause aus und leg eine Mini-Übung ein. Versuche mit geschlossenen Augen oder mit Handschuhen bestimmte Dinge zu finden. Klingt albern, aber im Ernstfall – wenn du gestresst bist, schlechtes Wetter herrscht oder es dunkel ist – wirst du froh sein, dass du weißt, wo was liegt.

Aufbewahrung und Pflege: So bleibt dein Set einsatzbereit

Ein Erste-Hilfe-Set ist keine „pack ich einmal ein und vergesse es dann“-Ausrüstung. Es braucht Pflege.

Die richtige Verpackung

Dein Set sollte:

  • Wasserabweisend oder wasserdicht sein
  • Eine auffällige Farbe haben (rot, orange, gelb)
  • Gut zugänglich im Rucksack verstaut sein
  • Klare Beschriftung haben – auch andere sollten es finden können

Ich packe mein Set in eine rote Packtasche, die ich im oberen Fach meines Trekkingrucksacks verstaue. Jeder in meiner Gruppe weiß: Rote Tasche = Erste Hilfe.

Regelmäßige Kontrolle

Mindestens zweimal im Jahr solltest du dein Set durchgehen:

  • Verfallsdaten von Medikamenten checken
  • Sterile Verpackungen auf Beschädigungen prüfen
  • Verbrauchtes Material ersetzen
  • Batterien der Stirnlampe testen

Ich mache das immer im Frühjahr vor der Wandersaison und im Herbst nach der Hauptsaison. Dauert zehn Minuten und gibt dir Sicherheit.

Tatonka First Aid Complete

Umfangreiches Nachfüll-Set mit sterilem Verbandmaterial, Pflastern und Desinfektionsmitteln für verschiedene Set-Größen.

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Wovon ich abrate: Diese Fehler solltest du vermeiden

Nach Jahren in den Bergen und einigen Rettungseinsätzen habe ich ein paar Dinge gesehen, die du besser nicht tun solltest.

Billig-Sets vom Discounter

Ja, beim Discounter gibt es manchmal Erste-Hilfe-Sets für 9,99 Euro. Lass die Finger davon. Die Pflaster kleben nicht ordentlich, das Material ist minderwertig, und oft ist der Inhalt nicht outdoor-tauglich zusammengestellt. Bei Sicherheitsausrüstung darf es ruhig etwas mehr kosten – dein Leben hängt davon ab.

Zu klein dimensioniert

Das Mini-Täschchen mit fünf Pflastern und einer Kompresse reicht nicht. Wirklich nicht. Auch nicht für Tagestouren. Was machst du, wenn jemand aus deiner Gruppe stürzt und du plötzlich mehrere Wunden gleichzeitig versorgen musst?

Abgelaufene Medikamente „noch schnell verbrauchen“

Ich kenne Leute, die ihre abgelaufenen Schmerztabletten ins Erste-Hilfe-Set packen, „damit sie nicht weggeworfen werden müssen“. Bitte nicht. Die Wirksamkeit lässt nach, und im Ernstfall willst du dich auf deine Medikamente verlassen können.

Das Set zu Hause vergessen

Klingt banal, passiert aber erstaunlich oft. Das Erste-Hilfe-Set muss in deinen Rucksack – immer. Nicht nur bei der großen Bergwanderung, sondern auch beim Wandern mit Hund oder dem entspannten Festival-Camping. Du weißt nie, wann du es brauchst.

Keine Kennzeichnung für Allergien oder besondere Bedingungen

Wenn du Allergien hast oder bestimmte Medikamente nicht verträgst, schreib das auf einen Zettel und pack ihn ins Set. Bei einem Notfall, wenn andere dir helfen müssen, können diese Infos entscheidend sein.

Gruppen-Touren: Wer ist verantwortlich?

Bei Touren mit mehreren Personen sollte klar sein: Wer hat das Erste-Hilfe-Set? Wo ist es verstaut? Wer hat medizinisches Grundwissen?

Meine Empfehlung: Bei Gruppen ab vier Personen sollten mindestens zwei Leute ein Erste-Hilfe-Set dabeihaben. Wenn ihr getrennt werden solltet oder einer zurückbleiben muss, hat trotzdem jede Teilgruppe Zugang zu medizinischer Versorgung.

Vor jeder größeren Tour mache ich mit der Gruppe einen kurzen Check: Wo ist das Erste-Hilfe-Set? Hat jemand besondere medizinische Bedürfnisse? Wer kennt sich mit Erster Hilfe aus? Das dauert fünf Minuten und sorgt dafür, dass im Ernstfall alle wissen, was zu tun ist.

Kosten-Nutzen: Was solltest du investieren?

Die Frage nach dem Budget ist berechtigt. Erste-Hilfe-Sets gibt es von 15 bis 150 Euro. Was ist angemessen?

Für normale Wanderungen und Tagestouren reicht ein Set im Bereich 25-40 Euro vollkommen. Das Tatonka First Aid Basic liegt in diesem Segment und ist sein Geld absolut wert.

Für Mehrtagestouren oder anspruchsvollere Unternehmungen solltest du 50-80 Euro einplanen. Hier bekommst du umfangreichere Sets mit besserer Qualität und mehr Ausstattung.

Profi-Sets für Expeditionen oder Guides kosten 100-150 Euro. Die sind für normale Wanderer überdimensioniert, aber wenn du regelmäßig in abgelegenen Regionen unterwegs bist, lohnt sich die Investition.

Was du zusätzlich einplanen solltest:

  • 20-30 Euro für individuelle Ergänzungen (Blasenpflaster, persönliche Medikamente)
  • 10-15 Euro pro Jahr für Nachfüll-Material
  • 40-250 Euro für einen Erste-Hilfe-Kurs (einmalig, aber Gold wert)

Notfall-Kommunikation: Hilfe rufen, wenn es ernst wird

Dein Erste-Hilfe-Set hilft dir bei der Versorgung. Aber was, wenn professionelle Hilfe nötig ist?

Die Grundlagen

Handy und Powerbank gehören zur Standard-Ausrüstung. Auch in vielen abgelegenen Regionen hast du heutzutage Empfang. Die europäische Notrufnummer 112 funktioniert auch ohne SIM-Karte und wählt sich automatisch ins stärkste verfügbare Netz ein.

Bei einem Notruf brauchst du diese Infos:

  • Wo genau seid ihr? (GPS-Koordinaten oder genaue Wegbeschreibung)
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte?
  • Welche Verletzungen?
  • Wie sind die Wetterbedingungen?

Deshalb gehört auch ein GPS-Gerät oder zumindest eine Offline-Karten-App aufs Handy. Wenn du nicht weißt, wo du bist, kann dir niemand helfen.

Notfall-Kommunikation ohne Handyempfang

In wirklich abgelegenen Regionen – etwa auf dem Jakobsweg in entlegenen Abschnitten oder bei Hochgebirgstouren – solltest du über zusätzliche Kommunikationsmittel nachdenken:

  • Satellitentelefon – teuer in Anschaffung und Betrieb, aber zuverlässig
  • PLB (Personal Locator Beacon) – sendet im Notfall ein Satelliten-Signal mit deiner Position
  • Signalpfeife – simpel, aber effektiv über kurze Distanzen
  • Signalspiegel – bei gutem Wetter über Kilometer sichtbar
Garmin inReach Mini 2

Kompaktes Satelliten-Kommunikationsgerät mit SOS-Funktion und GPS-Tracker. Für Touren in wirklich abgelegenen Regionen.

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Checkliste: Das gehört in dein Erste-Hilfe-Set für Outdoor-Aktivitäten

Zum Abschluss eine kompakte Übersicht, die du abhaken kannst:

Basis-Ausstattung (für jede Tour)

  • Sterile Kompressen (verschiedene Größen)
  • Mullbinden (2x)
  • Verbandpäckchen (2x mittel)
  • Pflaster-Sortiment
  • Blasenpflaster
  • Fixierbinde oder Tape
  • Dreieckstuch
  • Desinfektionsmittel und -tücher
  • Einmalhandschuhe (2 Paar)
  • Schere
  • Pinzette
  • Zeckenkarte
  • Rettungsdecke
  • Schmerzmittel (Ibuprofen)
  • Antihistaminika
  • Persönliche Medikamente

Erweiterte Ausstattung (Mehrtagestouren)

  • Zusätzliches Verbandmaterial
  • Elastische Binden
  • Wundgel
  • Elektrolyte
  • SAM Splint oder Notfall-Schiene
  • Stirnlampe mit Reservebatterien
  • Signalpfeife
  • Notfallplan und Notfallkontakte

Zusätzlich je nach Bedingungen

Winter: Wärmepacks, fetthaltige Salbe, extra Rettungsdecken

Höhe: Höhenmedikamente (nach ärztlicher Absprache), Gletschersalbe, Augentropfen

Tropen: Insektenschutz, Durchfall-Medikamente, Wasserentkeimung, Breitband-Antibiotikum

Häufige Fragen zum Erste-Hilfe-Set für Outdoor-Touren

Wie oft muss ich mein Erste-Hilfe-Set erneuern?

Das komplette Set musst du nicht jedes Jahr neu kaufen. Kontrolliere aber zweimal jährlich die Verfallsdaten von Medikamenten und sterilen Materialien. Verbrauchtes ersetzen, beschädigte Verpackungen austauschen. Die Tasche selbst hält bei guter Pflege viele Jahre.

Reicht ein kleines Set für Tagestouren wirklich aus?

Ein kompaktes Set wie das Tatonka First Aid Basic reicht für normale Tagestouren in erschlossenem Gebiet. Sobald du aber länger unterwegs bist, in anspruchsvollerem Gelände wanderst oder mit mehreren Personen losziehst, solltest du umfangreicher ausgestattet sein. Je weiter die professionelle Hilfe entfernt ist, desto besser sollte deine Ausrüstung sein.

Was tun, wenn ich mich mit medizinischer Versorgung nicht auskenne?

Dann solltest du das schleunigst ändern. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist keine Hexerei und vermittelt dir in einem Wochenende die wichtigsten Grundlagen. Viele Alpenvereine und Outdoor-Schulen bieten spezielle Outdoor-Erste-Hilfe-Kurse an. Das ist eine der sinnvollsten Investitionen in deine Sicherheit.

Muss ich bei Flugreisen etwas beachten?

Im Handgepäck sind Scheren und Pinzetten nur bis zu einer bestimmten Länge erlaubt (meist 6 cm). Flüssige Medikamente wie Desinfektionsmittel müssen in den Plastikbeutel für Flüssigkeiten (max. 100 ml pro Behälter). Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten kann eine ärztliche Bescheinigung sinnvoll sein, besonders bei Reisen außerhalb der EU. Im aufgegebenen Gepäck ist das alles kein Problem.

Gibt es Unterschiede zwischen Sets für Wandern, Klettern oder Radfahren?

Die Grundausstattung ist überall gleich. Bei speziellen Aktivitäten kommen aber Schwerpunkte hinzu: Kletterer brauchen mehr Tape und Material für Gelenkverletzungen. Radfahrer sollten zusätzliche Schürfwunden-Versorgung dabeihaben. Für Van Life oder Camping mit Kindern macht ein größeres Depot im Fahrzeug Sinn, zusätzlich zu einem kompakten Set für Tagesausflüge.

Wie erkläre ich anderen in meiner Gruppe, wo das Erste-Hilfe-Set ist?

Zu Beginn jeder Tour machst du eine kurze Ansage: „Das rote Täschchen im oberen Fach meines Rucksacks ist das Erste-Hilfe-Set. Falls mir was passiert, wisst ihr Bescheid.“ Das dauert zehn Sekunden und kann im Ernstfall entscheidend sein. Bei größeren Gruppen sollten mehrere Personen Sets dabeihaben.