Wenn die Temperaturen fallen und die meisten ihr Zelt einmotten, fängt für mich die spannendste Jahreszeit an. Aber mal ehrlich: Ein kalter Februarmorgen im Zelt ist nur dann toll, wenn du die Nacht über nicht bibbernd wach gelegen hast. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Winternacht in Schweden bei -25°C. Mein damaliger Schlafsack war mit „Komforttemperatur -10°C“ angegeben. Was soll ich sagen? Ich hab die längste Nacht meines Lebens erlebt.
Seitdem nehme ich das Thema Schlafsäcke fürs Winter Camping richtig ernst. Ein guter Winterschlafsack ist keine nette Bequemlichkeit – er ist die wichtigste Investition für kalte Nächte draußen. Punkt.
In diesem Guide zeige ich dir meine aktuellen Favoriten für 2026. Manche davon hab ich selbst getestet, bei anderen verlasse ich mich auf Erfahrungen von Leuten, die wirklich rausgehen statt nur Datenblätter zu vergleichen. Und ja, ich sage dir auch ehrlich, wo du Geld sparen kannst und wo es sich lohnt, tiefer in die Tasche zu greifen.
Was macht einen guten Winterschlafsack aus?
Bevor wir zu den konkreten Modellen kommen, lass uns klären, worauf es ankommt. Denn der teuerste Schlafsack bringt dir nichts, wenn er nicht zu deinem Einsatzgebiet passt.
Die Temperaturangaben verstehen
Hier wird’s gleich beim ersten Punkt tricky. Jeder Schlafsack hat drei Temperaturangaben nach EN-Norm:
- Komforttemperatur: Bei dieser Temperatur schläft eine Standard-Frau bequem die Nacht durch
- Limit-Temperatur: Hier schläft ein Standard-Mann gerade noch ohne zu frieren
- Extrem-Temperatur: Überlebenstemperatur für 6 Stunden – danach droht Unterkühlung
Mein Tipp: Plane immer mit der Komforttemperatur, nicht mit Limit. Wenn du bei -15°C campen willst, brauchst du einen Schlafsack mit Komfort -15°C oder kälter. Klingt logisch, aber ich kenne genug Leute die sich bei den Angaben vertan haben.
Daune oder Kunstfaser?
Die ewige Frage. Beide Füllungen haben ihre Berechtigung.
Daunen isolieren bei gleichem Gewicht deutlich besser. Ein Daunenschlafsack lässt sich kleiner packen und hält bei guter Pflege 15-20 Jahre. Der Nachteil: Wird die Daune feucht, verliert sie ihre Isolierfähigkeit. Und sie ist teurer.
Kunstfaser ist robuster und isoliert auch noch wenn sie nass ist. Dafür ist sie bei gleichem Temperaturbereich schwerer und braucht mehr Packvolumen. Nach 5-8 Jahren lässt die Bauschkraft merklich nach.
Für echtes Winter Camping empfehle ich fast immer Daunen. Das bessere Wärme-Gewicht-Verhältnis ist im Winter einfach Gold wert. Vorausgesetzt, du kannst deinen Schlafsack trocken halten – was im Winter tatsächlich einfacher ist als im Sommer. Weniger Schwitzwasser, keine Gewittergüsse.
Form: Mumie oder Ei?
Die klassische Mumienform ist fürs Winter Camping die beste Wahl. Jeder Zentimeter Luftraum im Schlafsack muss von deinem Körper erwärmt werden. Je enger die Passform, desto effizienter die Isolierung.
Allerdings: Wenn du ein breiter Typ bist oder dich nachts viel bewegst, kann eine Mumie sich einengend anfühlen. Dann lieber eine etwas weitere „Egg-Form“ wählen. Die paar Grad Temperaturverlust holst du mit einem guten Inlet wieder rein.
Meine Top-Empfehlungen: Schlafsäcke für Winter Camping 2026
Jetzt wird’s konkret. Ich hab hier sieben Schlafsäcke rausgesucht, die wirklich taugen. Sortiert von „solide Budget-Option“ bis „expedition-ready“.
Für den Einstieg: Mountain Equipment Classic 300
Wenn du erst mal ausprobieren willst, ob Winter Camping überhaupt dein Ding ist, ist der Classic 300 ein guter Startpunkt. Kunstfaser-Füllung, Komforttemperatur -7°C, Limit -14°C. Das reicht für die meisten Herbst- und milden Winternächte in Mitteleuropa.
Mit 1.850 g ist er kein Leichtgewicht, aber für unter 200 Euro kriegst du hier solide Qualität. Die Verarbeitung ist okay, die Reißverschlüsse laufen sauber. Packmaß ist mit 35 x 25 cm ziemlich bulky, passt aber noch außen an einen Trekkingrucksack.
Solider Kunstfaser-Einstiegsschlafsack für Herbst und milden Winter. Robust und pflegeleicht, wenn auch etwas schwer.
Ehrlich gesagt: Für richtig kalte Winternächte unter -10°C würde ich hier nicht investieren. Dann lieber gleich mehr ausgeben.
Der Allrounder: Carinthia G 280
Jetzt kommen wir zu einem Schlafsack, den ich selbst mehrfach im Einsatz hatte. Der Carinthia G 280 ist ein österreichisches Militärmodell – und das merkt man. Robuste Kunstfaser, Komforttemperatur -8°C, Limit -15°C, Extrem -34°C.
Was mir gefällt: Die Verarbeitung ist bombenfest. Zwei-Wege-Reißverschluss, Wärmekragen am Hals, verstärkte Fußbox. Mit 2.400 g nicht leicht, aber wenn Robustheit wichtiger ist als Gramm, ist das dein Schlafsack. Preis liegt bei ca. 280-320 Euro.
Militärerprobter Schlafsack für härtere Bedingungen. Extrem robust und zuverlässig bis -15°C Komfort.
Der Carinthia taugt besonders wenn du viel mit Pulka oder Schlitten unterwegs bist. Da spielt Gewicht eine kleinere Rolle und du willst was, das auch mal einen harten Schlag aushält.
Mein Favorit: Western Mountaineering Alpinlite
Jetzt reden wir. Der Alpinlite ist mit 850er Gänsedaune gefüllt und bringt bei nur 1.090 g eine Komforttemperatur von -7°C. Limit liegt bei -14°C. Das ist ein Wärme-Gewicht-Verhältnis, bei dem andere Hersteller neidisch werden.
Was den Alpinlite zum Favoriten macht: Die Verarbeitung ist makellos. Keine kalten Stellen an den Nähten, die Daune sitzt perfekt verteilt, der Wärmekragen schließt dicht ab. Packmaß ist mit 23 x 18 cm richtig kompakt. Du kriegst ihn problemlos in oder am Rucksack unter.
Der Haken? Mit ca. 550 Euro ist er nicht günstig. Aber wenn du es wirklich ernst meinst mit Winter Camping, ist das eine Investition für mindestens 15 Jahre. Ich hab meinen seit sechs Jahren und er sieht aus wie neu.
Premium-Daunenschlafsack mit exzellentem Wärme-Gewicht-Verhältnis. Leicht, kompakt und perfekt verarbeitet für anspruchsvolle Touren.
Für echte Kälte: Cumulus Panyam 1000
Wenn die Temperaturen richtig fallen, brauchst du richtige Ausrüstung. Der Panyam 1000 von Cumulus kommt mit Komforttemperatur -18°C und Limit -25°C. Das ist das Niveau, wo normale Winter-Camper aufhören und Polarexpeditionen anfangen.
1.000 g polnische Gänsedaune mit 850+ cuin Bauschkraft. Gewicht 1.850 g – für diese Wärmeleistung ziemlich beachtlich. Der Schlafsack hat einen durchdachten Zwei-Schichten-Aufbau, bei dem die Daunen in versetzten Kammern liegen. Keine kalten Nähte.
Preis liegt bei etwa 680-750 Euro. Kein Schnäppchen, aber wer bei -20°C draußen schläft, sollte hier nicht knausern. Cumulus ist eine polnische Manufaktur mit richtig gutem Ruf unter Alpinisten.
Hochleistungs-Daunenschlafsack für extreme Kälte. Komforttemperatur -18°C, perfekt für arktische Bedingungen.
Budget-Daune: Grüezi Bag Biopod DownWool Extreme
Du willst Daune, aber keine 500 Euro ausgeben? Der Biopod ist ein interessanter Kompromiss. Mischfüllung aus 70% Daune und 30% Merinowolle. Komforttemperatur -12°C, Limit -18°C. Gewicht 1.650 g.
Die Wolle soll Feuchtigkeit besser managen als reine Daune. In der Praxis merke ich ehrlich gesagt keinen großen Unterschied, aber es schadet auch nicht. Was mir gefällt: Für ca. 350 Euro kriegst du hier einen echten Winter-Daunenschlafsack. Die Verarbeitung ist gut, wenn auch nicht auf Western-Mountaineering-Niveau.
Preiswerte Alternative mit Daunen-Wolle-Mix. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für Einsteiger ins Daunen-Segment.
Ehrlich gesagt ist das ein ziemlich guter Deal. Wer nur gelegentlich im Winter campt, kommt damit gut klar.
Für große Leute: Yeti Passion Five
Wenn du über 1,90 m groß bist, weißt du wie nervig zu kurze Schlafsäcke sein können. Der Passion Five kommt in Längen bis 230 cm. Endlich mal ein Schlafsack, bei dem auch deine Füße warm bleiben.
Komforttemperatur -13°C, Limit -21°C. 900 g Entendaune mit 660 cuin. Nicht die hochwertigste Daune, aber für den Preis von ca. 420 Euro völlig okay. Gewicht liegt bei 1.980 g in der Long-Version.
Winterschlafsack auch in Extra-Lang verfügbar. Endlich was Vernünftiges für große Menschen.
Extrem: Rab Expedition 1400
Für alle die es wirklich wissen wollen. Der Rab Expedition 1400 ist mit Komfort -22°C und Limit -29°C ein Schlafsack für richtige Expeditionen. 1.400 g Gänsedaune mit 800 cuin. Gewicht 2.450 g.
Dieser Schlafsack ist overkill für normale Winter-Camping-Trips in Europa. Aber wenn du arktische Touren planst oder in großer Höhe unterwegs bist, führt an dieser Klasse kein Weg vorbei. Preis liegt bei etwa 850-950 Euro.
Die Kapuze lässt sich so eng zuziehen, dass nur noch deine Nase rausguckt. Genial wenn der Wind über den gefrorenen See pfeift und du trotzdem schlafen willst.
Expeditionsschlafsack für extreme Bedingungen. Komfort bis -22°C, gebaut für arktische Regionen und Hochgebirge.
Das passende Zubehör für warme Nächte
Ein guter Schlafsack ist nur die halbe Miete. Ohne die richtige Unterlage und ein paar clevere Extras wird’s trotzdem kalt.
Die Isomatte: Mindestens so wichtig
Von unten verlierst du mehr Wärme als nach oben. Die Daune unter deinem Körper wird zusammengedrückt und isoliert kaum noch. Deshalb brauchst du eine Isomatte mit R-Wert von mindestens 4, besser 5 oder höher.
Meine Empfehlung: Therm-a-Rest NeoAir XTherm mit R-Wert 7,3. Oder eine klassische Schaumstoffmatte wie die Thermarest RidgeRest mit zusätzlicher aufblasbarer Matte drüber. Doppelt hält besser, gerade bei Minusgraden.
Mehr dazu findest du in meinem Winter Camping Ausrüstungs-Guide, wo ich das ganze Setup durchgehe.
Inlet und Liner
Ein Seiden- oder Merino-Inlet bringt dir etwa 3-5 Grad Extra-Wärme und hält deinen Schlafsack sauber. Gerade bei langen Touren, wo du den Schlafsack nicht waschen kannst, macht das einen Unterschied.
Ich nutze meistens ein Merino-Inlet von Sea to Summit. Kostet ca. 70 Euro und wiegt 280 g. Das bisschen Extra-Gewicht ist es mir wert.
Wärmflasche: Old School aber effektiv
Klingt nach Oma, aber eine Nalgene-Flasche mit heißem Wasser im Schlafsack ist Gold wert. Vor dem Schlafen zwischen die Beine oder an die Füße – 20 Minuten später ist der ganze Schlafsack vorgewärmt.
Morgens hast du dann lauwarmes Wasser zum Waschen. Win-win.
So pflegst du deinen Winterschlafsack richtig
Ein Daunenschlafsack für 600 Euro will gut behandelt werden. Mit der richtigen Pflege hält er 15-20 Jahre. Mit der falschen keine drei.
Lagerung
Niemals im Packsack lagern! Die zusammengepresste Daune verliert dauerhaft an Bauschkraft. Zu Hause kommt der Schlafsack in einen großen Aufbewahrungssack oder hängt lose über einem Bügel.
Kunstfaser ist hier etwas verzeihender, aber auch da schadet lockere Lagerung nicht.
Waschen
Daunenschlafsäcke nur mit speziellem Daunenwaschmittel in die Maschine. Schonwaschgang, maximal 30 Grad, niedrige Schleuderung. Dann kommt das Ding in einen großen Trockner auf niedrigster Stufe – mit drei Tennisbällen, die die Daune wieder aufbauschen.
Klingt kompliziert? Ist es ein bisschen. Deshalb wasche ich meinen Schlafsack nur alle zwei Jahre oder wenn er wirklich dreckig ist. Ein Inlet verhindert, dass er zu schnell verschmutzt.
Reparatur
Kleine Löcher sofort mit Tenacious Tape flicken. Größere Risse vom Hersteller reparieren lassen. Ein Loch im Schlafsack ist wie ein offenes Fenster im Winter – durch so eine kleine Stelle verlierst du massiv Wärme.
Häufige Fehler beim Winter Camping mit Schlafsack
Lass mich dir ein paar Dinge ersparen, die ich auf die schmerzhafte Art lernen musste.
Fehler 1: Zu viel Kleidung im Schlafsack
Kontraintuitiv aber wahr: Mit zu viel Kleidung im Schlafsack wird’s kälter. Die dicken Schichten verhindern, dass deine Körperwärme die Luft im Schlafsack erwärmt. Mein Setup: Merino-Unterwäsche, dünne Fleeceschicht, Mütze, Socken. Fertig.
Die Daunenjacke bleibt draußen und dient als Kopfkissen.
Fehler 2: Feucht in den Schlafsack
Feuchtigkeit ist der Killer. Egal ob von außen oder durch Schwitzen – nasse Daune isoliert nicht. Deshalb: Vor dem Schlafen gehen alle nassen Klamotten ausziehen und separat lagern. Auch wenn’s erstmal kalt ist in trockener Kleidung, nach zehn Minuten im Schlafsack bist du warm.
Fehler 3: Die Kapuze nicht richtig nutzen
Über den Kopf verlierst du massiv Wärme. Die Kapuze gehört eng zugezogen, sodass nur noch Nase und Mund frei sind. Der Wärmekragen am Hals muss dicht abschließen. Klingt klaustrophobisch? Ist es anfangs. Gewöhnt man sich aber dran.
Fehler 4: Direkt nach dem Essen schlafen gehen
Mit vollem Magen schläft man schlechter und der Körper steckt Energie in die Verdauung statt ins Warmhalten. Lieber zwei Stunden vor dem Schlafen die letzte große Mahlzeit. Dafür kurz vorm Schlafen nochmal was Warmes trinken.
Finger weg von: Diese Schlafsäcke würde ich nicht kaufen
Jetzt mal ehrlich – nicht alles was mit „Winter“ beworben wird, taugt was.
Billig-Daunenschlafsäcke unter 150 Euro
Wenn ein Daunenschlafsack mit „bis -15°C“ weniger als 150 Euro kostet, stimmt was nicht. Entweder ist die Daune minderwertig, oder die Temperaturangaben sind kreativ interpretiert, oder beides. Ich hab so ein Teil mal für eine Testübernachtung geschenkt bekommen. Bei -5°C hab ich gefroren wie ein Schneider.
Lieber einen ehrlichen Kunstfaser-Schlafsack für 200 Euro als dubiose Billig-Daune.
Extrem-breite „Komfort-Modelle“
Es gibt Schlafsäcke die sind so weit geschnitten, dass du darin Rad schlagen könntest. Mag im Sommer nett sein, im Winter ist das verschenkte Effizienz. Du heizt literweise Luft, die dir nichts bringt.
Wer es enger nicht aushält, sollte ehrlich sein: Vielleicht ist Winter Camping dann einfach nichts für dich. Kein Witz gemeint – es ist okay, seine Grenzen zu kennen.
Mumien ohne Wärmekragen
Ein Winterschlafsack ohne ordentlichen Wärmekragen am Hals ist wie ein Haus ohne Haustür. Kalte Luft zieht durch den Halsbereich rein und alle Wärme verpufft. Wenn ich sowas sehe, weiß ich: Der Hersteller hat keine Ahnung.
Preisklassen: Wo lohnt sich mehr Geld?
Die Preisspanne bei Winterschlafsäcken geht von 150 bis über 1.000 Euro. Hier meine ehrliche Einschätzung, wann sich was lohnt.
Bis 250 Euro: Einstieg und Gelegenheitsnutzer
Wenn du zwei-drei Mal im Jahr bei mildem Winter campst, reicht diese Klasse. Du kriegst solide Kunstfaser-Schlafsäcke bis etwa -10°C Komfort. Nicht besonders leicht, nicht besonders kompakt, aber sie tun ihren Job.
250-500 Euro: Der Sweet Spot
Hier spielst du schon in einer Liga, wo du echte Qualität bekommst. Gute Daune, ordentliche Verarbeitung, Temperaturbereich bis -15°C. Wenn du regelmäßig im Winter draußen bist, ist das deine Preisklasse. Premium Outdoor Ausrüstung muss nicht immer vierstellig sein.
Über 500 Euro: Für Enthusiasten und Profis
Ab hier zahlst du für Details: Hochwertigste Daune, perfekte Verarbeitung, extremste Temperaturbereiche. Lohnt sich wenn du häufig in echter Kälte unterwegs bist oder dein Leben davon abhängen könnte. Für normale Winter-Camping-Trips in Mitteleuropa? Übertrieben.
Ich selbst bin mit meinem Western Mountaineering in der Mitte angesiedelt. Für meine Touren nach Skandinavien und gelegentlich in die Alpen im Winter ist das die richtige Wahl. Jemand der nur in deutschen Mittelgebirgen unterwegs ist, käme mit weniger aus.
Winter Camping: Das Gesamtsystem zählt
Merk dir eins: Der beste Schlafsack bringt nichts, wenn der Rest nicht stimmt. Du brauchst auch eine ordentliche Hardshell-Jacke, gutes Essen für die Kälte und ein Erste-Hilfe-Set das auch bei Kälte funktioniert.
Bei meiner Schweden-Tour war nicht nur der Schlafsack das Problem. Meine Isomatte hatte nur R-Wert 2, mein Gaskocher streikte bei -20°C und ich hatte keine Ahnung von richtiger Schnee-Verankerung fürs Zelt. Das Gesamtpaket muss passen.
Wenn du tiefer ins Winter Camping einsteigen willst, schau dir meinen ausführlichen Guide zur Winter Camping Ausrüstung an. Da gehe ich auf alle Komponenten ein.
Häufige Fragen zu Schlafsäcken fürs Winter Camping
Kann ich zwei Schlafsäcke ineinander verwenden?
Grundsätzlich ja, aber effizient ist das nicht. Die beiden Schlafsäcke schieben sich gegeneinander und es entstehen Kältebrücken. Besser: Ein ordentlicher Winterschlafsack plus Liner. Das ist das gleiche Prinzip, aber durchdacht umgesetzt. Falls du bereits einen Drei-Jahreszeiten-Schlafsack hast, kann ein zweiter billiger Sommerschlafsack außen rum aber als Notlösung funktionieren.
Wie oft muss ich einen Daunenschlafsack waschen?
So selten wie möglich, so oft wie nötig. Ich wasche meinen alle zwei Jahre oder wenn er merklich riecht. Jeder Waschgang stresst die Daune. Ein Liner im Schlafsack verhindert, dass er zu schnell verschmutzt. Den Liner wasche ich dagegen nach jeder Tour. Nach einer mehrtägigen Winter-Tour lüfte ich den Schlafsack mehrere Tage gründlich aus, das reicht meistens.
Ist es wärmer zu zweit in einem Doppelschlafsack?
In der Theorie ja. In der Praxis bei echten Minusgraden: eher nein. Doppelschlafsäcke haben viel mehr Luftvolumen, das erwärmt werden muss. Außerdem unterscheiden sich Menschen in ihrem Wärmeempfinden. Wenn einer von euch nachts schwitzt und der andere friert, nervt das gewaltig. Für romantische Sommernächte: super Sache. Für Winter Camping unter -10°C: lieber zwei separate Schlafsäcke. Dann könnt ihr die auch außen aneinander-Reißverschlussen wenn ihr kuscheln wollt, aber jeder hat sein eigenes Wärmemanagement.
Muss der Schlafsack eng anliegen oder ist Bewegungsfreiheit wichtig?
Beim Winter Camping gewinnt Effizienz über Komfort. Eine enge Mumienform isoliert besser, weil weniger Luft erwärmt werden muss. Aber: Der Schlafsack darf die Daune nicht zusammendrücken. Wenn du dich wie eine Wurst fühlst und kaum die Position wechseln kannst, ist er zu eng. Faustregel: Du solltest dich auf die Seite drehen können, ohne dass der Stoff stark spannt. Mehr Platz brauchst du nicht. Ich weiß, das ist gewöhnungsbedürftig. Nach ein paar Nächten merkst du aber: Du schläfst ruhiger als in einem weiten Schlafsack, weil du nicht nach kalten Stellen suchst.
Wie lagere ich einen nassen Schlafsack auf mehrtägigen Touren?
Das ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen. Wenn dein Schlafsack tagsüber nass wird – durch Schwitzwasser, Kondenswasser im Packsack oder einen doofen Unfall – hast du ein Problem. Meine Strategie: Den Schlafsack tagsüber außen am Rucksack befestigen, damit er an der Luft ist. Bei Sonne und Wind trocknet er überraschend gut, selbst bei Minusgraden. Abends im Zelt kannst du den Schlafsack notfalls mit in deinen trockenen Schlafsack nehmen – deine Körperwärme trocknet ihn über Nacht. Klingt unangenehm? Ist es. Aber besser als in einem nassen Schlafsack zu liegen. Langfristig: Investiere in wasserdichte Packsäcke und achte darauf, dass der Schlafsack innen im Rucksack trocken bleibt.
Schlafsack kaputt auf Tour – was nun?
Wenn du ein Loch im Schlafsack hast, musst du schnell handeln. Tenacious Tape oder Duct Tape solltest du immer dabei haben. Kleine Risse sofort abkleben – auch von innen. Das stoppt den Daunenverlust und reduziert den Wärmeverlust. Bei größeren Schäden: Alle warme Kleidung anziehen die du hast, Notfalldecke als Extra-Layer verwenden. Zur Not die Biwaksack-Hülle über den Schlafsack ziehen, das hält zusätzlich warm. Und dann am nächsten Morgen die Tour abbrechen oder zur nächsten Hütte. Mit einem defekten Winterschlafsack weiterzumachen ist gefährlich. Noch ein Grund mehr, nicht alleine loszuziehen – im Notfall kann man sich zu zweit einen funktionierenden Schlafsack teilen, wenn auch unbequem.
Wenn du es wirklich ernst meinst mit Winter-Abenteuern: Ein guter Schlafsack ist die wichtigste Investition. Alles andere – das Zelt, die Jacke, der Kocher – ist austauschbar. Aber nachts bei -15°C zu frieren, weil du 150 Euro gespart hast? Das macht keinen Spaß.
Such dir einen Schlafsack aus der Liste, der zu deinem Einsatzgebiet passt. Und dann raus mit dir. Die kältesten Nächte sind oft die klarsten – und wenn du warm im Schlafsack liegst und durch die Zeltöffnung den Sternenhimmel siehst, weißt du warum es sich lohnt.