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Ultralight Trekking Ausrüstung: Gewicht sparen ohne Komfort

Letztes Jahr im Juli bin ich mit 14 kg Rucksackgewicht zum Kungsleden aufgebrochen. Nach drei Tagen hatten meine Schultern gelitten und jeder Schritt fühlte sich an wie eine Strafe. Seitdem habe ich jedes Teil meiner Ausrüstung auf die Waage gelegt und systematisch optimiert.

Heute liegt mein Baseweight bei 4,2 kg. Kein Gramm mehr als nötig.

Der Unterschied zwischen schwerer und leichter Ausrüstung entscheidet darüber, ob du nach 20 km erschöpft bist oder noch Energie für den Sonnenuntergang am See hast. Aber – und das ist entscheidend – ultraleichte Ausrüstung für Trekking muss nicht bedeuten, dass du frierst, unbequem schläfst oder bei jedem Windstoß um dein Zelt bangst. Es geht darum, intelligente Entscheidungen zu treffen. Nicht beim Komfort zu sparen, sondern beim toten Gewicht.

Die Big Three: Hier sparst du am meisten Gewicht

Zelt, Schlafsack und Rucksack machen zusammen 70-80% deines Baseweights aus. Hier anzusetzen bringt die größten Einsparungen – oft über 2 kg ohne Komfortverlust.

★ Favorit

ZPACKS
Duplex Tent

Das Duplex wiegt nur 595 g – etwa ein Drittel eines vergleichbaren Trekkingzelts. Trotzdem bietet es Platz für zwei Personen plus Gepäck. Hab es selbst im Regen getestet: absolut dicht, auch bei Starkregen. Der Preis schmerzt, aber die Gewichtsersparnis ist real.

Gewicht595 g
MaterialDyneema DCF
Personen2
Preis ca.699 €

Stärken
  • Extrem leicht bei vollem Schutz
  • Überraschend geräumig für zwei Personen
  • Dyneema ist wasserdicht ohne Beschichtung
Schwächen
  • Sehr teuer – definitiv eine Investition
  • Benötigt Trekkingstöcke als Aufbau
  • Dyneema ist empfindlich gegen UV und punktuelle Belastung

Budget-Tipp

3F UL GEAR
Lanshan 2
****-
4.4
(54 reviews)

Für die Sparfüchse unter euch: Das Lanshan wiegt 1100 g und kostet unter 150 €. Klar, Dyneema gibt’s hier nicht, aber das Silnylon ist wasserdicht und hält einiges aus. Perfekter Einstieg ins Ultralight-Segment ohne Bankkredit.

Gewicht1100 g
MaterialSilnylon 20D
Personen2
Preis ca.145 €

Stärken
  • Unschlagbares Preis-Gewichts-Verhältnis
  • Gute Verarbeitung für den Preis
  • Ausreichend Platz für zwei Personen
Schwächen
  • Silnylon dehnt sich bei Nässe – nachspannen nötig
  • Keine Apsis für Gepäck
  • Bei Kondenswasser innen manchmal feucht

Zwischen diesen beiden Zelten liegen 505 g und 554 €. Ich würde jedem Einsteiger raten: Startet mit dem Lanshan. Wer nach einer Saison merkt, dass jedes Gramm zählt, kann immer noch upgraden. Die meisten klassischen Trekkingzelte wiegen übrigens 2-3 kg – da ist selbst das Lanshan schon ein massiver Fortschritt.

Ultraleicht

ENLIGHTENED EQUIPMENT
Revelation Quilt 20°F

Quilts sind Schlafsäcke ohne Rückenteil – die Isolierung unter dem Körper wird eh zusammengedrückt und wärmt nicht. Spart 200-300 g. Das Revelation wiegt bei -7°C Komfortbereich nur 570 g. Hab damit im Herbst in Norwegen geschlafen: warm, bequem, kein Hitzestau.

Gewicht570 g
Füllung850er Daune
Komforttemp.-7°C
Preis ca.340 €

Stärken
  • Extrem leicht für den Temperaturbereich
  • Mehr Bewegungsfreiheit als im Mumienschlafsack
  • Packmaß winzig – passt in jede Ecke
Schwächen
  • Gewöhnungsbedürftig wenn man Schlafsäcke kennt
  • Ohne isolierte Isomatte wird’s kalt
  • Daune verliert bei Nässe die Isolation

Wichtig

Quilts funktionieren nur mit einer guten isolierten Isomatte. Spar hier nicht am falschen Ende – eine kalte Nacht macht jede Gewichtsersparnis zunichte. R-Wert ab 3.5 sollte es mindestens sein.

CUMULUS
X-Lite 300

Oder für die Sparfüchse unter euch: Cumulus aus Polen baut hervorragende Daunenprodukte zu fairen Preisen. Der X-Lite 300 wiegt 680 g, ist bis -5°C komfortabel und kostet 220 €. Muss man mögen, aber: Das ist etwa 60% vom EE-Preis bei nur 110 g Mehrgewicht.

Gewicht680 g
Füllung850er Daune
Komforttemp.-5°C
Preis ca.220 €

Stärken
  • Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Hochwertige Verarbeitung aus Europa
  • Auch als klassischer Mumienschlafsack verfügbar
Schwächen
  • Etwas schwerer als US-Premium-Marken
  • Längere Lieferzeiten möglich

Ein konventioneller Daunenschlafsack für -7°C wiegt etwa 1000-1200 g. Mit einem Quilt oder einem optimierten Mumienschlafsack sparst du 300-500 g – das ist mehr als eine volle Wasserflasche.

Preis-Leistung

GOSSAMER GEAR
Mariposa 60

Der Mariposa wiegt nur 850 g, trägt aber bequem bis 13 kg Gesamtgewicht. Das Rückensystem ist simpel aber effektiv – eine gerollte Isomatte als Polsterung. Klingt nach Kompromiss, funktioniert aber. Kann ich empfehlen: Hab damit den GR20 gemacht, null Rückenprobleme.

Gewicht850 g
Volumen60 L
Max. Last13 kg
Preis ca.280 €

Stärken
  • Sehr leicht für das Tragesystem
  • Durchdachte Taschen und Zugriffspunkte
  • Sitzt auch bei längeren Tagesetappen bequem
Schwächen
  • Nicht für schwere Lasten über 13 kg geeignet
  • Mesh-Außentaschen können an Felsen hängenbleiben
  • Kein eingebautes Regencape – separater Cover nötig

GRANITE GEAR
Crown2 60
****-
4.6
(30 reviews)

Was auch geht: Der Crown2 für 190 €. Wiegt 1020 g und hat ein etwas stabileres Tragesystem als der Mariposa. Gerade für Einsteiger ins Ultralight Trekking oft die bessere Wahl – die 170 g mehr Gewicht verzeihen mehr Packfehler.

Gewicht1020 g
Volumen60 L
Max. Last16 kg
Preis ca.190 €

Stärken
  • Stabiler als reine Ultralight-Rucksäcke
  • Günstiger als Gossamer Gear
  • Abnehmbarer Deckel spart nochmal Gewicht
Schwächen
  • Hüftgurt könnte gepolsterter sein
  • Bei voller Beladung etwas unhandlich

Ein Standard-Trekkingrucksack wiegt 2-2,5 kg. Mit dem Crown2 sparst du etwa 1 kg, mit dem Mariposa sogar 1,2 kg. Das ist keine Kleinigkeit – das entspricht fast dem Gewicht deines Schlafsacks.

Die kleinen Dinge: Hier summiert sich’s

Jetzt wird’s interessant. Die Big Three sind optimiert, aber da geht noch mehr. Kocher, Geschirr, Wasserfilter – alles zusammen macht nochmal 500-800 g aus.

Ultraleicht

TOAKS
Titanium 550ml Pot
****-
4.8
(1019 reviews)

Titan wiegt etwa halb so viel wie Alu bei gleicher Stabilität. Der 550ml Pot von TOAKS bringt nur 71 g auf die Waage. Reicht für eine Person zum Kochen und Essen. Kombiniert mit einem ultraleichten Kocher unter 100g hast du ein komplettes Koch-Setup unter 150 g.

Gewicht71 g
MaterialTitan
Volumen550 ml
Preis ca.32 €

Stärken
  • Extrem leicht und trotzdem robust
  • Titan rostet nicht und hält ewig
  • Kompakt stapelbar mit anderen TOAKS Produkten
Schwächen
  • Keine Antihaftbeschichtung – klebt manchmal
  • Wärmeleitung schlechter als Alu – längere Kochzeit

SAWYER
Mini Water Filter
****-
4.6
(41577 reviews)

Der Sawyer Mini wiegt 56 g und filtert bis zu 378.000 Liter Wasser. Einfach auf eine Smartwater-Flasche schrauben, trinken. Kein Pumpen, kein Gewicht. Für mich das beste System fürs Ultralight Trekking – leicht, zuverlässig, günstig.

Gewicht56 g
Filterleistung0,1 Mikron
Kapazität378.000 L
Preis ca.28 €

Stärken
  • Minimales Gewicht, maximale Leistung
  • Passt auf Standard-PET-Flaschen
  • Kein Nachkaufen von Kartuschen nötig
Schwächen
  • Durchflussrate langsamer als beim normalen Sawyer
  • Kann bei Frost kaputtgehen – im Winter aufpassen
  • Regelmäßiges Rückspülen notwendig

Ein Standard-Wasserfilter wiegt 200-400 g. Der Sawyer Mini spart dir 150-350 g – und kostet dabei nur einen Bruchteil.

Warnung

Titan-Geschirr brennt schneller an als Aluminium. Koch immer mit genug Flüssigkeit und rühr häufiger um. Für komplexe Gerichte ist Alu oft die bessere Wahl – für Wasser kochen und Tütengerichte perfekt.

Systemgewicht vs. Basisgewicht: Was zählt wirklich?

Dein Baseweight ist alles was du trägst minus Wasser, Essen und getragene Kleidung. Das ist die Zahl die zählt. Mein aktuelles Setup:

  • Zelt: 1100 g (Lanshan 2 – ja, ich hab noch nicht zum Duplex gegriffen)
  • Schlafsystem: 680 g (Cumulus Quilt) + 410 g (Thermarest NeoAir Xlite) = 1090 g
  • Rucksack: 850 g (Gossamer Gear Mariposa)
  • Kochsystem: 71 g (TOAKS Pot) + 95 g (BRS-3000T Kocher) = 166 g
  • Wasserfilter: 56 g (Sawyer Mini)
  • Kleidung, Hygiene, Elektronik, Erste Hilfe: ca. 950 g

Summe: 4212 g Baseweight.

Zum Vergleich: Mein altes Setup wog 9,8 kg. Das sind 5,6 kg Unterschied – mehr als ein voller Tagesrucksack. Auf einer mehrtägigen Tour merkst du das in jeder Steigung.

Kategorie Standard-Setup Ultralight-Setup Ersparnis
Zelt (2P) 2200 g 595-1100 g 1100-1600 g
Schlafsystem 1800 g 1090 g 710 g
Rucksack 2300 g 850 g 1450 g
Kocher + Topf 450 g 166 g 284 g
Wasserfilter 280 g 56 g 224 g
Gesamt 7030 g 2761 g 4269 g

Diese Tabelle zeigt nur die fünf Hauptkategorien. Aber schon hier sparst du über 4 kg – ohne auf irgendetwas Essentielles zu verzichten.

Was du wirklich brauchst (und was nicht)

Ultraleichtes Trekking bedeutet auch, ehrlich zu sein: Was brauchst du wirklich? Hier meine Erfahrung nach drei Jahren Optimierung.

Das kannst du weglassen

Campingstühle. Kissen (eine Jacke im Packsack tut’s auch). Mehrere Messer. Axt oder Säge außerhalb von Bushcraft-Touren. Ersatzkleidung für jeden Tag – Merinowolle kannst du eine Woche tragen ohne dass es müffelt. Bücher in Papierform – ein Kindle wiegt 180 g und fasst hundert Bücher.

Jedes Teil das du weglässt spart nicht nur Gewicht beim Trekking, sondern auch Geld. Win-win.

Hier solltest du NICHT sparen

Isomatte. Eine schlechte Nacht ruiniert den nächsten Tag. Gute Isomatten für Seitenschläfer wiegen zwar mehr, aber der Komfort zählt. Erste-Hilfe-Set. Minimalst, aber vollständig. Regenschutz. Eine leichte Regenjacke ist Pflicht – ich hab eine wasserdichte Jacke fürs Wandern bei Regen die nur 240 g wiegt.

Stirnlampe mit ausreichend Akkuleistung. Wasserfilter als Backup wenn du in kritischen Regionen unterwegs bist.

Hier lohnt sich Titan statt Aluminium

Töpfe, Besteck, Heringe. Titan wiegt etwa 40-50% weniger als Stahl und 30-40% weniger als Aluminium. Bei einem kompletten Kochset sparst du so 200-300 g. Klingt wenig, summiert sich aber.

Rechnung: TOAKS Titanium Spork (15 g) vs. Alu-Löffel (35 g) = 20 g. Titanium Heringe (8 g/Stück) vs. Alu-Heringe (14 g/Stück) = 48 g bei acht Heringen. Titan-Topf (71 g) vs. Alu-Topf (120 g) = 49 g. Gesamt: 117 g nur bei diesen drei Teilen.

Tipp

Wiege alles einzeln ab. Ich meine wirklich alles. Hersteller schummeln gerne – oft wiegt die tatsächliche Ausrüstung 5-10% mehr als angegeben. Eine Küchenwaage mit 0,1g-Genauigkeit kostet 15 € und zeigt dir genau wo deine Gramm hingehen.

Wo du günstig ins Ultralight Trekking einsteigst

Ultralight muss nicht teuer sein. Klar, ein ZPacks Duplex für 700 € oder ein Gossamer Gear Rucksack für 280 € sind Investments. Aber es geht auch anders.

Budget-Strategie: Step by Step

Fang mit dem Rucksack an. Ein Granite Gear Crown2 für 190 € spart dir sofort 1 kg gegenüber einem Standard-Trekkingrucksack. Das merkst du ab dem ersten Kilometer.

Dann das Zelt. Ein 3F UL Lanshan 2 für 145 € wiegt die Hälfte eines normalen Trekkingzelts. Ist es so gut wie ein ZPacks? Nein. Aber es ist gut genug und kostet ein Fünftel.

Schlafsack als letztes – hier würde ich eher zum Cumulus greifen als zum billigsten China-Quilt. Daune ist Daune, aber die Verarbeitung entscheidet über Kältebrücken. 220 € für den Cumulus X-Lite sind gut investiert.

Gesamtkosten: 555 € für die Big Three. Damit liegst du bei etwa 3 kg Baseweight für Zelt, Schlafsack und Rucksack. Ein vergleichbares Standard-Setup würde 6-7 kg wiegen und ähnlich viel kosten.

Gebraucht kaufen

Ultralight-Gear hält ewig. Dyneema altert kaum, Titan rostet nicht, Daune kann man wieder aufbauschen. Facebook-Gruppen wie „Ultraleicht Trekking & Wandern“ haben regelmäßig Angebote. Ich hab meinen Mariposa gebraucht für 180 € gekauft – statt 280 € neu. Nach drei Jahren sieht er aus wie neu.

Auch ein gutes Reparatur-Set gehört ins Gepäck – gerade bei gebrauchter Ausrüstung.

DIY: Selbst bauen und sparen

Manche Sachen kannst du easy selber machen. Ein Alkohol-Kocher aus zwei Getränkedosen wiegt 10 g und kostet nichts. Funktioniert genauso gut wie die 40€-Variante von Trangia.

Packsäcke aus Cuben Fiber kosten 30-50 €. Oder du nimmst Ziplock-Beutel für 5 € – wiegen fast nichts, sind wasserdicht, kosten einen Bruchteil. Mein gesamtes Kleidungssystem steckt in Ziplock-Beuteln. Funktioniert seit Jahren.

Isomatten-Flickzeug, Ersatzschnüre, Tape – das meiste hast du eh zuhause. Zusammen in eine kleine Tasche, wiegt 50 g, erspart dir den Kauf eines überteuerten „Repair Kits“.

Typische Anfängerfehler beim Gewichtsparen

Ich hab sie alle gemacht. Damit du nicht dieselben Fehler wiederholst:

Fehler 1: Zu dünne Isomatte

Eine 200g-Schaumstoffmatte klingt nach perfektem Ultralight. Ist es nicht. Nach der dritten kalten Nacht schwörst du dir, nie wieder. Mindestens 300-400 g für eine ordentliche aufblasbare Isomatte. Der Komfort zählt mehr als 150 g Ersparnis.

Fehler 2: Keine Reserve beim Rucksackvolumen

Ein 40L-Rucksack wiegt weniger als ein 60L-Rucksack. Stimmt. Aber wenn du Essen für fünf Tage plus Winterschlafsack einpacken musst, wird’s eng. Lieber 5 L Reserve und entspanntes Packen als gestresst jeden Kubikzentimeter optimieren zu müssen.

Fehler 3: Das günstigste China-Zelt ohne Reviews kaufen

Aliexpress hat Zelte für 80 € die angeblich 800 g wiegen. Manche sind okay. Viele sind Müll – schlechte Nähte, undichte Böden, Reißverschlüsse die nach zwei Wochen brechen. Wenn China-Marke, dann 3F UL Gear oder Naturehike – die haben sich einen Namen gemacht.

Ausrüstung Gewicht Std. Gewicht UL Preis Std. Preis UL Budget Preis UL Premium
Zelt 2P 2200 g 1100 g 250 € 145 € (3F UL) 699 € (ZPacks)
Schlafsack -7°C 1200 g 680 g 180 € 220 € (Cumulus) 340 € (EE)
Rucksack 60L 2300 g 1020 g 200 € 190 € (Granite) 280 € (Gossamer)
Isomatte 650 g 410 g 80 € 120 € (Klymit) 200 € (Thermarest)
Gesamt 6350 g 3210 g 710 € 675 € 1519 €

Du siehst: Die Budget-UL-Variante ist günstiger als Standard-Ausrüstung UND über 3 kg leichter. Die Premium-Variante spart nochmal 1 kg, kostet aber mehr als das Doppelte.

Saisonale Anpassungen: Winter vs. Sommer

Im Sommer kommt mein Baseweight auf 3,8 kg. Im Winter auf 5,6 kg. Der Unterschied:

Winterschlafsack statt Sommerschlafsack: +400 g. Dickere Isomatte: +200 g. Winterjacke: +300 g. Ultraleichte Daunenjacke unter 200g geht im Sommer, im Winter brauchst du mehr Isolation. Zusätzliche Schicht: +250 g. Handschuhe, Mütze: +100 g. Wärmere Socken: +80 g. Vierzahniges Zelt statt Tarp: +200 g.

Macht zusammen 1530 g Unterschied. Trotzdem liege ich im Winter unter 6 kg – ein Standard-Setup würde bei 10-12 kg landen.

Die Psychologie des Gewichtsparens

Hier wird’s ehrlich: Ultralight Trekking kann zur Obsession werden. Ich kenne Leute die ihre Zahnbürste halbieren um 3 g zu sparen. Muss man mögen, aber: Irgendwann wird’s lächerlich.

Meine Regel: Gewicht sparen wo es keinen Komfortverlust bedeutet. Ein Titan-Löffel statt Edelstahl? Easy. Keine Isomatte? Schwachsinn.

Außerdem: Die ersten 2 kg Gewichtsreduktion sind einfach. Die nächsten 500 g werden teuer und kompliziert. Die letzten 200 g sind für Nerds die jedes Gramm lieben – zu denen gehöre ich mittlerweile auch, aber ich würd’s keinem empfehlen der einfach nur entspannt wandern will.

Perspektive

Wenn du 5 kg Körpergewicht zu viel mit dir rumträgst, bringt dir ein 200g leichterer Schlafsack weniger als eine Woche weniger Bier. Nur so als Denkanstoß. Fitness ist der beste Gewichtsspar-Hack.

Material-Guide: Was wiegt wie viel und warum

Verschiedene Materialien haben unterschiedliche Gewichts-Leistungs-Profile. Hier die wichtigsten:

Zeltmaterialien

Dyneema (DCF): 30-50 g/m², extrem reißfest, 100% wasserdicht ohne Beschichtung. Teuer. Empfindlich gegen UV und punktuelle Belastung. Nähte müssen getaped sein.

Silnylon: 40-60 g/m², günstig, wasserdicht, dehnt sich bei Nässe. Beschichtung kann mit der Zeit abblättern. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Silpoly: Wie Silnylon, dehnt sich nicht bei Nässe. Etwas schwerer. Weniger verbreitet.

Isolationsmaterialien

Daune: Beste Wärmeleistung pro Gramm. 850+ Fillpower ist Standard bei UL-Ausrüstung. Problem: Verliert bei Nässe komplett die Isolation. Hydrophobe Daune hilft, ist aber teurer.

Kunstfaser: Schwerer als Daune (ca. 30-40% mehr Gewicht), isoliert auch nass. Günstiger. Größeres Packmaß.

Rucksackmaterialien

Dyneema Gridstop: Extrem reißfest bei minimalem Gewicht. Teuer.

Robic Nylon: Robust, günstiger als Dyneema, etwas schwerer.

Polyester: Standard bei Budget-Rucksäcken. Schwerer, aber auch billiger.

Packliste: Mein aktuelles 4,2 kg Setup

Konkret und auf’s Gramm genau – so sieht meine Liste aus:

Big Three (3040 g):
Lanshan 2 Zelt: 1100 g
Cumulus X-Lite 300: 680 g
Thermarest NeoAir Xlite: 410 g
Gossamer Gear Mariposa: 850 g

Kochen & Wasser (293 g):
TOAKS 550ml Pot: 71 g
BRS-3000T Kocher: 95 g
Gaskartusche 100g: 100 g (verbraucht sich)
TOAKS Spork: 15 g
Sawyer Mini: 56 g
1L Smartwater Flasche: 38 g

Kleidung getragen (nicht im Baseweight):
Wanderhose, Shirt, leichte Wanderschuhe, Socken, Unterwäsche, Cap

Kleidung im Rucksack (580 g):
Montane Minimus Regenjacke: 240 g
Cumulus Daunen-Pullover: 210 g
Ersatzsocken Merino: 50 g
Lange Unterhose: 80 g

Hygiene & Erste Hilfe (180 g):
Zahnbürste + Mini-Zahnpasta: 25 g
Seife (Dr. Bronners 50ml): 55 g
Toilettenpapier (halbe Rolle): 40 g
Erste-Hilfe-Kit (minimal): 60 g

Elektronik (280 g):
Nitecore NU25 Stirnlampe: 29 g
Anker PowerCore 10000: 180 g
USB-Kabel: 20 g
Smartphone (Pixel 6a): 51 g (getragen, nicht im Baseweight)

Diverses (110 g):
Trekkingstöcke: (getragen, nicht im Baseweight)
Sitzkissen: 35 g
Packsäcke/Ziplock: 40 g
Reparatur-Kit: 35 g

Gesamt: 4183 g Baseweight

Nicht eingerechnet: Wasser (wiegt je nach Etappe 0,5-2 kg), Essen (ca. 500 g pro Tag), getragene Kleidung.

Häufige Fragen

Die gängige Definition: Baseweight unter 4,5 kg. Super-Ultralight liegt unter 2,3 kg. Aber ehrlich – die Zahlen sind nicht so wichtig. Wenn du von 10 kg auf 6 kg runterkommst, merkst du den Unterschied massiv. Egal ob das jetzt offiziell „ultralight“ heißt oder nicht.

Kommt drauf an. Dyneema ist extrem reißfest – robuster als Nylon. Titan hält länger als Alu. ABER: Ein 600g-Zelt verzeiht weniger Fehler als ein 2kg-Expeditionszelt. Du musst sorgfältiger mit der Ausrüstung umgehen. Kein wildes Zeltschieben über scharfe Steine. Keine Heringe mit Steinen einschlagen. Mit der richtigen Behandlung hält UL-Gear ewig.

Budget-Variante: 600-800 € für die Big Three (Zelt, Schlafsack, Rucksack). Mid-Range: 1000-1200 €. Premium: 1500-2000 €. Der Unterschied liegt bei 500-1000 g, nicht bei der grundsätzlichen Funktionalität. Ich würde mit der Budget-Variante starten und nach einer Saison entscheiden ob die Grammjagd weitergeht.

Ja, aber das Baseweight steigt. Mein Winter-Setup liegt bei 5,6 kg statt 4,2 kg. Du brauchst einen wärmeren Schlafsack, dickere Isomatte, mehr Kleidungsschichten. Trotzdem deutlich leichter als konventionelle Winterausrüstung. Der Trick: Hochwertige Daune mit hoher Fillpower – die isoliert besser pro Gramm als billige Daune.

Den Rucksack. Ein leichter Rucksack bringt dir sofort 1-1,5 kg Ersparnis und kostet „nur“ 190-280 €. Das merkst du ab dem ersten Kilometer. Zelt und Schlafsack kannst du danach upgraden. Außerdem: Mit einem leichteren Rucksack kommst du auch mit deiner alten schwereren Ausrüstung besser zurecht – doppelter Gewinn.

Fazit: Gewicht sparen ist ein Marathon

Mein erster Versuch Gewicht zu sparen endete damit, dass ich meine Zahnpasta zuhause ließ. Gespart: 80 g. Gewonnen: Mundgeruch. Nicht empfehlenswert.

Heute drei Jahre später weiß ich: Ultraleichte Ausrüstung für Trekking ist kein Sprint. Du musst nicht von heute auf morgen alles ersetzen. Fang mit einem Teil an – meistens dem Rucksack. Merk wie viel angenehmer das Tragen wird. Dann optimierst du weiter.

Die wichtigste Erkenntnis: Gewicht sparen funktioniert nur wenn du ehrlich zu dir bist. Was brauchst du WIRKLICH? Nicht was könntest du theoretisch brauchen. Ich hab zwei Jahre lang einen Campingstuhl mitgeschleppt – 800 g für zehn Minuten Nutzung pro Woche. Weg damit.

Heute genieße ich jede Tour mehr. Nicht weil mein Setup perfekt ist – das wird es nie sein. Sondern weil ich nach 25 km noch Energie hab statt nur noch erschöpft ins Zelt zu fallen. Das ist der wahre Gewinn beim Gewicht sparen.