Als ich zum ersten Mal mit einem 18-Kilogramm-Rucksack durch die Alpen stapfte, dachte ich: „Das gehört halt dazu.“ Drei Tage später, mit Schulterschmerzen und einem schmerzenden unteren Rücken, begegnete ich einem Typ der mich locker überholte. Sein Rucksack? Wirkte halb so schwer. Stellte sich raus: War er auch. Der Unterschied zwischen seinem 7-Kilo-Setup und meinem Packesel? Nicht der Komfort – sondern Wissen. Genau dieses Wissen gebe ich dir heute weiter.
Ultralight bedeutet nicht, dass du auf dem harten Boden schlafen oder kalt haben musst. Es bedeutet, dass du jedes Teil in deinem Rucksack hinterfragst und durch eine leichtere Alternative ersetzt – aber nur dort, wo es wirklich Sinn macht. Denn ja, manche Gewichtseinsparung ist ihr Geld nicht wert.
Die drei Hauptgewichtstreiber deiner Ausrüstung
Bevor du anfängst, wild Zahnbürsten-Griffe abzusägen: 80% deines Gewichts stecken in den „Big Three“ – Rucksack, Zelt und Schlafsystem. Hier lohnt sich der Blick zuerst.
Mein alter Rucksack wog allein 2,8 Kilogramm. Leer. Der neue? 980 Gramm. Das sind fast zwei Kilo Ersparnis, ohne dass ich auch nur ein einziges Teil weniger einpacke. Solche Sprünge schaffst du bei Kleinteilen nie.
Der Rucksack: Weniger Schnickschnack, mehr Tragekomfort
Vergiss die ganzen Außentaschen, Kompressionsriemen und integrierten Regenhüllen. Was du brauchst: Ein Tragesystem das funktioniert und ein simpler Sack aus robustem Material.
Ultraleichte Rucksäcke zwischen 800 und 1200 Gramm gibt’s ab etwa 150 Euro. Die teuren Modelle für 300+ Euro sind oft nur marginal leichter – da zahlst du 150 Euro für 100 Gramm Gewichtsersparnis. Rechne selbst, ob dir das wert ist.
Einer der wenigen ultraleichten Rucksäcke die auch bei 12+ Kilo Gesamtgewicht noch bequem tragen. 990 Gramm für vernünftige 200 Euro.
Budget-Tipp: Der Naturehike Ultralight 60L liegt bei knapp 1100 Gramm und kostet um die 100 Euro. Klar, die Verarbeitung ist nicht auf Osprey-Niveau. Aber für Einsteiger ins Ultralight Trekking völlig ausreichend.
Solide Einstiegsoption mit gutem Gewicht-Preis-Verhältnis. Bei 1100 Gramm und unter 100 Euro machst du nicht viel falsch.
Das Zelt: Hier wird’s teuer – oder kreativ
Ein Drei-Jahreszeiten-Zelt wiegt schnell 2,5 Kilogramm. Ein ultraleichtes? Unter 1000 Gramm. Der Preisunterschied? Kann bei 400 Euro liegen.
Meine ehrliche Meinung: Bei Zelten lohnt sich die Investition meistens. Die Gewichtsersparnis ist massiv und du schläfst jeden Abend darin. Das sind 700 Gramm die du täglich spürst.
Aber – und das ist wichtig – nicht jedes ultraleichte Zelt taugt was. Manche Hersteller sparen Gewicht an den falschen Stellen: zu dünnes Außenzelt, wackelige Gestänge, Reißverschlüsse die nach einer Saison hinüber sind.
Mein persönlicher Favorit. 1,47 kg für ein Zweipersonenzelt mit ordentlich Platz. Hält auch mal Regen aus, ohne dass du nachts nass wirst.
Was auch geht: Tarp plus Bivy. Zusammen um die 600 Gramm, kostet keine 150 Euro. Nachteil? Bei Mücken und schlechtem Wetter eher nervig. Ich nutze das Setup nur für kurze Sommerwanderungen.
Falls du mit mehreren Leuten unterwegs bist: Das Zeltgewicht teilen ist der einfachste Weg zum Ultralight Trekking. Einer trägt das Außenzelt, der andere Gestänge und Heringe. Schon hast du pro Person deutlich weniger auf dem Rücken. Mehr Tipps zum Zeltkauf findest du in meinem Ratgeber zum Zeltkauf.
Schlafsystem: Isomatte und Schlafsack richtig kombinieren
Hier wird oft Geld verbrannt. Ein 800-Gramm-Daunenschlafsack für 400 Euro klingt verlockend. Aber brauchst du den wirklich?
Ich schlafe im Sommer mit einem 600-Gramm-Quilt von Cumulus (ca. 200 Euro) und einer aufblasbaren Isomatte mit 450 Gramm. Gesamtgewicht: 1050 Gramm. Im Frühherbst kommt eine leichte Daunenjacke dazu – wiegt 280 Gramm und nutze ich tagsüber eh.
390 Gramm, R-Wert 4,2. Eine der leichtesten Isomatten die auch bei Seitenschläfern funktioniert. Packmaß wie eine 0,5l-Flasche.
Budget-Tipp: Klymit Static V Lite liegt bei 540 Gramm und kostet um 70 Euro. Gut 150 Gramm mehr als die Therm-a-Rest, aber auch 100 Euro günstiger. Für Gelegenheitswanderer ein fairer Deal.
Solides Preis-Leistungs-Verhältnis für Einsteiger. Bei 540 Gramm und unter 80 Euro ziemlich okay.
Ultralight Trekking-Ausrüstung für die Küche
Meine alte Kochausrüstung wog komplett 1,2 Kilogramm. Heute? 320 Gramm. Und ich esse immer noch warm.
Der Trick: Ein Gaskocher mit Titan-Topf ersetzt den halben Campingküchen-Wahnsinn. Brauchst du wirklich eine Pfanne, zwei Töpfe und ein Besteck-Set? Nein.
Kocher: Gas oder Spirituskocher?
Ein BRS-3000T Gaskocher wiegt 25 Gramm und kostet 15 Euro. Ja, wirklich. Der ist zwar windanfällig, aber mit einem selbstgebauten Windschutz aus Alufolie kein Problem.
Nur 25 Gramm, kostet unter 20 Euro. Der Klassiker unter den Ultralight-Kochern. Mit Windschutz nutzen!
Spirituskocher sind noch leichter – manche selbstgebauten Modelle unter 15 Gramm. Aber ehrlich? Die Brennzeit nervt. Für Wasser aufkochen okay, zum Kochen eher mühsam.
Topf und Geschirr: Titan ist dein Freund
Ein 750ml Titan-Topf wiegt etwa 100 Gramm und kostet um 30 Euro. Alu wäre noch leichter, verkratzt aber schneller und reagiert mit manchen Lebensmitteln.
105 Gramm, kompaktes Packmaß, hält ewig. Für 35 Euro ein solides Teil das du nicht nach zwei Touren ersetzen musst.
Geschirr? Ein Titan-Spork (Löffel-Gabel-Kombi) wiegt 15 Gramm. Fertig. Keine Teller, keine Schüsseln – du isst aus dem Topf.
Was auch geht: Ein Trinkbecher aus Silikon (30 Gramm) ersetzt Tassen und kann zur Not als Schüssel dienen. Für die Sparfüchse: Ein alter Joghurtbecher tut’s auch. Wiegt noch weniger.
Kleidung: Die größte Fehlerquelle beim Gewichtsparen
Hier werden die meisten Fehler gemacht. Nicht weil Leute zu viel einpacken – sondern weil sie das Falsche einpacken.
Das klassische Problem: Drei T-Shirts, zwei Fleecejacken, eine Softshelljacke, eine Regenjacke. Zusammen locker 2 Kilogramm. Mein Setup? Eine Merino-Langarmshirt, eine dünne Daunenjacke, eine Regenjacke. 850 Gramm.
Das Zwiebelprinzip neu gedacht
Vergiss dicke Fleecejacken. Eine 100-Gramm-Daunenjacke wärmt besser als ein 400-Gramm-Fleece. Und packt kleiner.
280 Gramm, unter 50 Euro, wärmt ziemlich gut. Klar keine Alpinisten-Jacke, aber für Drei-Jahreszeiten-Wanderungen top.
Merinoshirts sind ihr Geld wert. Die kannst du drei Tage tragen ohne dass sie stinken. Synthetik? Riecht nach einem Tag. Bedeutet: Du brauchst weniger Wechselwäsche.
Bei Regenjacken gilt: Ultraleichte Modelle unter 200 Gramm sind oft nicht atmungsaktiv genug. Du schwitzt dich von innen nass. Ich bleibe bei meiner 280-Gramm-Jacke von Outdoor Research – die funktioniert auch bei Anstrengung.
180 Gramm, wasserdicht, vernünftige Atmungsaktivität. Bei 150 Euro eines der wenigen ultraleichten Regenjacken die funktionieren.
Hosen: Hier kannst du wenig sparen
Eine Wanderhose wiegt zwischen 250 und 400 Gramm. Die leichteren Modelle sind oft aus so dünnem Stoff, dass sie nach drei Touren durchscheuern.
Meine Empfehlung: Eine robuste Zip-Off-Hose um 350 Gramm. Funktioniert als lange und kurze Hose, spart ein komplettes Teil im Rucksack.
Budget-Tipp: Decathlon Forclaz Trek 100. Wiegt 320 Gramm, kostet unter 30 Euro. Nicht die schickste Hose, aber taugt was. Deutlich besseres Preis-Gramm-Verhältnis als Markenmodelle für 120 Euro.
Wasser und Verpflegung: Unterschätzte Gewichtstreiber
Ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm. Klingt banal, wird aber oft vergessen. Viele schleppen drei Liter mit sich rum „für alle Fälle“.
Realität: In Mitteleuropa kommst du selten länger als vier Stunden ohne Wasserquelle aus. Ein Liter reicht meistens. Plus ein Wasserfilter für Notfälle.
Wasserfilter: Sawyer Squeeze als Standard
Der Sawyer Mini wiegt 56 Gramm und kostet um 25 Euro. Filtert bis zu 400.000 Liter. Das Ding ist praktisch unkaputtbar.
56 Gramm, filtert Bakterien zuverlässig, passt auf handelsübliche Trinkflaschen. Für 25 Euro ein No-Brainer.
Chemische Wasserentkeimung (Micropur) ist noch leichter, dauert aber 30 Minuten bis zwei Stunden. Bei der Mittagspause okay, wenn du abends am Bach ankommst nervig.
Essen: Gewicht versus Kalorien
Trekking-Nahrung wiegt wenig und hat viele Kalorien. Kostet aber 8-12 Euro pro Mahlzeit. Für eine Wochenendtour? Okay. Für zwei Wochen? Rechne selbst.
Mein Mix: Morgens Instant-Porridge (40 Gramm, 400 Kalorien, 80 Cent), mittags Nüsse und Trockenfrüchte, abends Couscous mit Trockenfleisch oder Instant-Nudeln. Komme auf etwa 600 Gramm Essen pro Tag bei 2500-3000 Kalorien.
Was auch geht: Selbst dehydrieren. Ein Dörrgerät kostet um 60 Euro, damit kannst du fast alles trocknen. Spart langfristig Geld und Gewicht.
Die richtigen Wanderschuhe für Ultralight Trekking
Schwere Lederstiefel? Brauchst du nicht. Zumindest nicht für normale Wanderwege.
Trailrunner wiegen oft unter 300 Gramm pro Schuh. Ein klassischer Wanderstiefel? 600-800 Gramm. Das sind 600 Gramm Unterschied – pro Schritt. Bei 20.000 Schritten am Tag hebst du 12 Tonnen weniger Gewicht.
Ja, Trailrunner haben weniger Knöchelschutz. Aber ehrlich? Dein Knöchel stabilisiert sich durch Muskulatur, nicht durch Leder. Ein steifer Stiefel schwächt eher deine Stabilisatoren.
Meine Empfehlung: Anfangen mit Mid-Cut-Trailrunnern um 350 Gramm. Die bieten etwas mehr Halt als Low-Cut-Modelle, sind aber deutlich leichter als klassische Stiefel. In meinem Wanderschuh-Test findest du konkrete Modelle mit allen Details.
380 Gramm pro Schuh, wasserdicht, guter Grip. Für 140 Euro ein solider Mittelweg zwischen Trailrunner und Wanderstiefel.
Finger weg von diesen vermeintlichen Ultralight-Lösungen
Nicht alles was leicht ist, ist auch schlau. Manche Gewichtseinsparungen machen deine Tour zur Qual.
Zu dünne Isomatten
Eine 250-Gramm-Isomatte mit R-Wert 1,5 klingt verlockend. Bis du nachts um drei aufwachst weil du frierst und jeder Stein sich in deinen Rücken bohrt.
Isomatten unter 350 Gramm sind meistens zu dünn oder zu kalt. Spar hier nicht am falschen Ende – eine schlaflose Nacht kostet mehr Energie als 100 Gramm Mehrgewicht sparen.
Billige Titan-Kocher
Es gibt Titan-Nachbauten für 10 Euro die aussehen wie BRS-3000T. Die Brennleistung? Miserabel. Das Gewinde? Wackelig. Nach drei Touren im Müll.
Bei Kochern lohnt sich Markenware. Der Preisunterschied ist gering, die Qualität macht einen Unterschied.
Ultraleichte Trekkingstöcke aus Carbon
Carbon-Trekkingstöcke unter 150 Gramm pro Stock kosten gern 150+ Euro. Sind sie 100 Gramm Gewichtsersparnis gegenüber Alu-Modellen wert? Kommt drauf an.
Ich nutze 200-Gramm-Alu-Stöcke für 40 Euro. Die halten auch mal einen Sturz aus ohne zu splittern. Carbon bricht bei Querbelastung – und dann stehst du mitten im Nirgendwo mit einem kaputten Stock.
205 Gramm pro Stock, Aluminium, drei Segmente. Für 60 Euro das Paar vernünftige Qualität ohne Gewichtsexzesse.
Zu kleine Rucksäcke
Ein 40-Liter-Rucksack spart zwar Gewicht, aber wenn deine Ausrüstung nicht reinpasst und du Zeug außen dranhängen musst, bringt dir das nichts. Das Gewicht hast du trotzdem dabei, nur schlechter verteilt.
Für Mehrtagestouren sind 50-60 Liter realistisch. Außer du machst reines Fastpacking mit minimalster Ausrüstung.
Mein komplettes Ultralight Trekking Setup mit Gewichtsangaben
Damit du siehst wie das in der Praxis aussieht, hier mein aktuelles Setup für Drei-Jahreszeiten-Touren:
- Rucksack: Osprey Levity 60 – 990g
- Zelt: Big Agnes Copper Spur UL2 (Solo) – 1470g
- Schlafsack: Cumulus Lite Line 400 – 600g
- Isomatte: Therm-a-Rest NeoAir XLite – 390g
- Kocher: BRS-3000T – 25g
- Topf: TOAKS 750ml – 105g
- Gaskartusche: 100g (reicht 4-5 Tage)
- Wasserfilter: Sawyer Mini – 56g
- Trinkflasche: 2x 1L Softflask – 90g
- Regenjacke: Outdoor Research Helium II – 180g
- Daunenjacke: Cumulus Primelite – 280g
- Merino-Shirt: Icebreaker 200 – 180g
- Wanderhose: – 350g
- Wechselunterwäsche: – 100g
- Erste-Hilfe-Set: – 120g
- Stirnlampe: Petzl e+Lite – 26g
- Trekkingstöcke: 2x 200g – 400g
- Sonstiges: (Zahnbürste, Seife, etc.) – 200g
Baseweight: 5.642 Gramm
Dazu kommen Essen (600g/Tag) und Wasser (1000g). Bei einer Dreitages-Tour liege ich damit bei etwa 8,5 Kilogramm Gesamtgewicht. Das ist spürbar leichter als die 15-18 Kilo die viele mit sich rumschleppen.
Budget-Einstieg ins Ultralight Trekking
Du musst nicht 2000 Euro ausgeben um leichter zu wandern. Hier mein realistischer Budget-Einstieg für unter 600 Euro:
- Rucksack: Naturehike 60L – 100€
- Zelt: Naturehike Cloud-Up 2 – 150€
- Schlafsack: Decathlon Trek 900 10° – 100€
- Isomatte: Klymit Static V Lite – 70€
- Kocher: BRS-3000T – 15€
- Topf: TOAKS 750ml – 35€
- Wasserfilter: Sawyer Mini – 25€
- Regenjacke: Decathlon Forclaz Trek 500 – 80€
Gesamtgewicht liegt bei etwa 6,5-7 Kilogramm Baseweight. Ja, 900 Gramm mehr als mein Setup. Aber auch 1400 Euro günstiger. Für den Einstieg völlig okay.
Den Rest deiner Ausrüstung kannst du nach und nach upgraden wenn du merkst wo dich das Gewicht am meisten nervt.
Praxis-Tipps: So kommst du unter 7 Kilo Baseweight
Die Theorie ist das eine. In der Praxis scheitern viele daran, konsequent zu bleiben. Ein paar Tipps die mir geholfen haben:
Wiege wirklich alles
Hol dir eine Küchenwaage und wiege jedes einzelne Teil. Schreib’s auf. Du wirst überrascht sein wo überall unnötiges Gewicht lauert.
Mein „Aha-Moment“: Mein Erste-Hilfe-Set wog 480 Gramm. Nach Aussortieren von allem was ich in zehn Jahren nie gebraucht habe? 120 Gramm. Und immer noch ausreichend für normale Notfälle.
Pack doppelt – trag einmal
Bevor du auf Tour gehst: Pack deinen Rucksack, schnall ihn um, lauf eine Stunde. Dann pack alles aus und frag dich bei jedem Teil: „Hab ich in den letzten drei Touren bereut das nicht dabei zu haben?“
Falls nein – bleibt zu Hause.
Teile mit deinen Mitwanderern
Wenn du mit anderen unterwegs bist: Ein Zelt reicht. Ein Kocher reicht. Ein Erste-Hilfe-Set reicht. Teilt das Gewicht auf.
Bei meiner letzten Tour zu zweit hatte jeder von uns unter 6 Kilo auf dem Rücken – inkl. geteiltem Zwei-Personen-Zelt. Ähnliche Strategien funktionieren beim Camping mit Kindern, wo Gewichtsverteilung noch wichtiger wird.
Multifunktionale Items bevorzugen
Deine Daunenjacke ist gleichzeitig dein Kopfkissen – stopf sie in einen Stoffbeutel. Deine Regenjacke ist gleichzeitig ein Windschutz für den Kocher. Dein Buff ist Mütze, Halstuch und Stirnband.
Je mehr Funktionen ein Teil erfüllt, desto weniger musst du mitschleppen.
Wie viel Gewichtsersparnis bringt wirklich was?
100 Gramm klingen wenig. Aber über einen Tag mit 20.000 Schritten hebst du 2 Tonnen weniger Gewicht. Das spürst du.
Faustformel: Jedes Kilogramm das du am Rucksack sparst entspricht etwa fünf Kilogramm die du nicht den Berg hochtragen musst. Weil das Gewicht auf deinem Rücken bei jedem Schritt beschleunigt werden muss.
Bei den Schuhen ist der Effekt noch krasser: Ein Gramm am Fuß entspricht etwa fünf Gramm am Rucksack. 200 Gramm leichtere Schuhe? Fühlt sich an wie ein Kilogramm weniger auf dem Rücken.
Wann lohnt sich Ultralight Trekking nicht?
Sei ehrlich zu dir: Nicht jede Tour braucht minimales Gewicht.
Hüttenwanderung mit Einkehrmöglichkeiten? Da ist Gewicht egal. Wochenendtrip mit kurzen Etappen? Auch egal. Wintertouren bei -10 Grad? Da brauchst du robuste, warme Ausrüstung – Gewicht ist zweitrangig.
Ultralight macht Sinn wenn:
- Du lange Distanzen zurücklegst (20+ Kilometer pro Tag)
- Du viele Höhenmeter machst
- Du mehrere Tage autark unterwegs bist
- Du körperliche Einschränkungen hast (Rücken, Knie)
Für den Wochenend-Campingplatz-Aufenthalt? Vollkommen unnötig.
Häufig gestellte Fragen zum Ultralight Trekking
Wie viel sollte ein Ultralight-Rucksack wiegen?
Unter 7 Kilogramm Baseweight (ohne Essen und Wasser) gilt als Ultralight. Unter 5 Kilo als Super-Ultralight. Realistisch für Einsteiger sind 6-8 Kilo. Alles darunter erfordert entweder viel Erfahrung oder viel Budget – meist beides.
Ist Ultralight Trekking unbequem?
Nein – wenn du es richtig machst. Unbequem wird’s nur wenn du am falschen Ende sparst: zu dünne Isomatte, zu kalter Schlafsack, zu fragile Ausrüstung. Ein durchdachtes Ultralight-Setup ist genauso komfortabel wie traditionelle Ausrüstung, manchmal sogar mehr weil du weniger erschöpft ankommst.
Wie viel kostet der Einstieg ins Ultralight Trekking?
Budget-Einstieg geht ab 600 Euro für komplette Ausrüstung (ohne Schuhe). Nach oben gibt’s keine Grenze – manche geben 3000+ Euro aus. Mein Tipp: Start mit Budget-Optionen bei 600-800 Euro, dann upgrade einzelne Teile wenn du merkst was dir wichtig ist.
Kann ich mit Ultralight-Ausrüstung auch im Winter wandern?
Ja, aber es wird teurer und etwas schwerer. Winterschlafsäcke, wärmere Kleidung und stabilere Zelte sind nötig. Realistischer Baseweight im Winter: 8-10 Kilo statt 5-7. Immer noch deutlich leichter als traditionelle Winterausrüstung mit 15+ Kilo.
Welche Körperregion profitiert am meisten von weniger Gewicht?
Schultern und unterer Rücken spüren den Unterschied am deutlichsten. Aber auch Knie werden geschont – besonders bergab. Leichtere Schuhe entlasten zudem deine Unterschenkel und Fußgelenke. Langfristig reduziert weniger Gewicht das Verletzungsrisiko erheblich.
Muss ich meine komplette Ausrüstung auf einmal austauschen?
Nein – und solltest du auch nicht. Start mit den Big Three (Rucksack, Zelt, Schlafsystem). Das bringt die größte Gewichtsersparnis. Den Rest kannst du schrittweise upgraden. Manche Teile deiner alten Ausrüstung sind vielleicht schon leicht genug.